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Zeitlose Schrecken in „Paper Girls“, Band 5

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Die vier Paper Girls sind in einer weit entfernten Zukunft angelangt. Hier scheint es möglich, das Schicksal zu besiegen und Mac von ihrer Krebserkrankung zu kurieren.

Rezension

KJ, Tiffany, Mac und Erin sind knapp dem Weltuntergang durch Y2K entkommen, der zur Milleniumwende sämtliche digitale Geräte vernichtet (Band 4). Geflohen sind die vier, gemeinsam mit der Tiffany aus dem Jahr 2000, in einer Zeitmaschine. Diese hat die Mädchen aus den Achtzigern (Band 1) in eine weit entfernte Zukunft katapultiert. Nachdem sie bereits am Anbeginn des Menschen angekommen waren (Band 3), sehen sie sich nun einer Hochkultur voller Überwachung und Technologie gegenüber. Die Mädchen wissen, dass Mac nur wenige Jahre nach der schicksalhaften ersten Begegnung der Freundinnen an Krebs sterben wird (Band 2). KJ beschließt, mit Mac in ein Krankenhaus zu gehen, um den Krebs in der Zukunft beheben zu lassen. Im vierten Band hat KJ ihr Coming-out als Lesbe, was Mac vollständig abstoßend findet. Da KJ allerdings die körperlich fitteste der Vier ist, muss Mac gemeinsam mit ihr gehen, denn ein Arzt wird ihr nicht freiwillig helfen, so die Annahme. Unterdessen treffen Erin und die beiden Tiffanys auf eine alte Bekannte, die etwas Licht in die wirren Erlebnisse der Zeitreisenden wider Willen bringen kann.

PG5 1

Mac in einer Rückschau auf ihre ersten Schritte zum Erwachsenwerden. 

Der fünfte Band von Paper Girls ist gleichbleibend gut. Die Stärke der Serie war schon immer die Charakterentwicklung, so auch hier, wo alles auf ein düsteres Ende zuzulaufen scheint. Allerdings, und das ist ein kleiner Spoiler, erscheint am Ende des Bands ein Hoffnungsschimmer. Dennoch, alles scheint in einer vorgezeichneten Tragödie zu münden, die eine Eskalation von apokalyptischem oder utopischem Ausmaß haben könnte. Nach diesem Band scheinen alle Akteure die Bühne betreten zu haben und es schließt sich ein erster Teil der Erzählung. Es bleibt allerdings das Gefühl, die vier Mädchen seien ein Spielball zwischen verschiedenen Mächten und hätten selbst keine Chance dort heraus kommen zu können. Zumindest nicht lebend oder als Freunde. Dabei deutet die Reihe bereits sehr früh spätere Entwicklungen und einen möglichen Ausgang an (Band 1 und 2), macht hier aber nochmal deutlich, dass alles in der Zeit relativ ist, wenn auch verbunden und von großer Tragweite.

Der vorliegende Band ist im Übrigen bereits der vorletzte der Reihe, die in den USA im Juli mit Heftnummer #30 enden wird. Bei uns wird es noch einige Zeit dauern, bis der letzte Band erscheint, vermutlich kurz vor Weihnachten oder erst 2020. In den USA soll der letzte Sammelband (Heft #26-#30) im September erscheinen.

Auch der neueste Band von Paper Girls bietet wie gewohnt das nicht Erwartbare, was diese Serie so großartig macht. Irgendwo zwischen Sci-Fi, Thriller, Phantastik und Horror sucht sich auch dieser Band seinen eigenen Platz und wird Lesende der Reihe für sich begeistern können. Das Erwachsenwerden ist auch in Band 5 ein zentrales Thema, das angesichts der Zeitsprünge sehr originell inszeniert wird. Durch eine vertiefende Charakterisierung der handlungsführenden Figuren, sticht dieser Band allerdings hervor.

PG5 Cover

Infokasten

„Paper Girls“

Band 5 (enthält die Einzelausgaben #21 bis #25 des US-Comics)

Geschichte: Brian K. Vaughan

Illustrationen: Cliff Chiang

Kolorierung: Matt Wilson

Übersetzung: Sarah Weissbeck

Verlag: Cross Cult

152 Seiten, Hardcover, Vollfarbe

Veröffentlichung: Ab dem 17.04.2019 im Handel erhältlich.

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Letzte Änderung amDonnerstag, 02 Mai 2019 23:03
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Phantastische Literatur: ungenauer, auch missverständlicher Sammelbegriff für ein breites, auch Triviales [...] umfassendes Spektrum von Literatur. Das Phantastische erscheint in der fiktionalen oder imaginativen Literatur als vielschichtiges Phänomen.“

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