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Film

„Nina Forever“ von Ben und Chris Blaine

Filmplakat (Ausschnitt) Filmplakat (Ausschnitt)

Das Indie-Regiedebüt der Brüder Blaine erzählt eine derbhumorige, zugleich tiefsinnige Dreiecksbeziehung mit einer Toten. Einfühlsam und zugleich grotesk.

Kurzrezension

Die Veranstalter des Fantasy Filmfestes kündigten den ersten Teilnehmer des Fresh-Blood-Wettbewerbs als Indiefilm an. Und genau das, was der Indiefilm im Horror-Sektor für mich ausmacht, verkörpert das über Kickstarter finanzierte Regiedebüt der Brüder Ben und Chris Blaine: eine ernstgemeinte, das heißt gut erzählte Geschichte, die zugleich schräger und in Aspekten auch drastischer ist, als man dies aus Mainstream-Filmen gewohnt ist. In Nina Forever haben Rob (Cian Barry) und Holly (Abigail Hardingham) mit einer verstorbenen Ex zu kämpfen, die sie buchstäblich heimsucht, erstmals als das frisch verliebte Pärchen sich seiner ersten Liebesnacht hingibt. Der Sex wird jäh gestört, als sich die Laken blutig färben, zerreißen und Nina (Fiona O'Shaughnessy) aus dem Bett hervorquillt, schauerlich entstellt von dem Motorradunfall, bei dem sie tödlich verunglückte. Es leuchtet ein, dass diese skurrile Situation weder Rob noch Holly erfreut. Und auch Nina ist, gelinde gesagt, angepisst. Denn für sie ist die Sache mit Rob nicht vorbei, nur weil sie tot ist. Entsprechend mischt sie sich regelmäßig mit stoisch-genervter Miene und keckem Mundwerk in die junge Beziehung ein, während ihr nackter Körper – so zerschmettert, wie er ist – alles vollsüfft.

Nina Forever ist bizarr. Und dann doch wieder eine klassische Beziehungsgeschichte, die von den Herausforderungen der Liebe erzählt. Sich auf eine derart intensive zwischenmenschliche Beziehung einzulassen, birgt je nach charakterlichem Hintergrund der involvierten Personen ihre ganz eigenen Schwierigkeiten. Ganz offenbar veräußert dieser Film in fantastischer Manier innere Seelenkämpfe. Denn fraglich ist, ob Rob den Tod seiner ehemaligen Freundin schon überwunden hat. Zu sehr ist er mit ihrem Leben verbandelt, besucht regelmäßig ihre trauernden Eltern, hat noch immer Fotos und Klamotten von ihr in der Wohnung, die sie gemeinsam bewohnten. Und mit einem Mal platzt Holly in sein Leben, selbst gerade verlassen worden, weil ihr Ex sie ‚zu nett‘ findet. Ebenso fraglich, ob nicht sie es ist, die Nina immer wieder heraufbeschwört, insgeheim fühlt, dass sie diesem Schatten, der über ihrer Beziehung liegt, nicht gewachsen ist.

Nina Forever ist ein einfühlsamer Film mit einem Hauch metaphorischem Trash, der dem sich ewig wiederholenden Genre der Liebesgeschichte einen grotesken, derbhumorigen Touch gibt, der nachhallt. Eindeutig eine Indie-Perle, die auf das Fantasy Filmfest gehört.

Trailer zu Nina Forever

Infokasten

„Nina Forever“

Regie: Ben Blaine, Chris Blaine 

Drehbuch: Ben Blaine, Chris Blaine

Laufzeit: 98 Minuten

Produzent: Casualties Bureau u.a.

Verleih: Eagle Films

Großbritannien | 2015

Letzte Änderung amMittwoch, 06 September 2017 12:55
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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„Das Wort Kunst bezeichnet [...] im engeren Sinne Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selber sein.“

– Wikipedia