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„Downrange“ – Die Ohnmacht der Anvisierten

Filmszene Splendid Film Filmszene

Coincidence can kill ist das Motto dieses Films, der eine Gruppe Jugendliche in eine aussichtlose Bedrohungslage wirft. Gnadenlos, explizit und gut erzählt.

Kurzrezension

Ein Überraschungsmoment muss diese Rezension vorwegnehmen, es betrifft das gesamte Szenario, das sich mit aller Plötzlichkeit entfaltet: Eine Gruppe Jugendlicher hat sich als Reisegemeinschaft zusammengefunden, ihr Auto hat eine Panne, der Reifen muss gewechselt werden – irgendwo im Nirgendwo auf einer Landstraße. Mit einem Mal eröffnet ein Fremder das Feuer auf sie, ein Scharfschütze, der seine Opfer genau da hat, wo er sie haben will: in der offenen Landschaft einer Talsohle, kaum Deckung, kaum Handyempfang. Der einzige Schutz: das fahruntüchtige Auto.

Um aus diesem statischen Szenario eine spannende Handlung für einen abendfüllenden Film herauszukitzeln, braucht es einen guten Autor. Ohne Frage hat es Potenzial: Denn die Bedrohung ist für die Jugendlichen unmittelbar, hingegen die Quelle der Bedrohung für sie unerreichbar. Sie sind technologisch unterlegen: kein Ankommen gegen ein Scharfschützengewehr. Das birgt den Schrecken der Ohnmacht. Man ist hilflos ausgeliefert. Dramaturgisch betrachtet, macht dies die Figuren nahezu handlungsunfähig. Der Raum zum Agieren ist eng, ein Fehler und sie sterben. Wie soll sich die Handlung also entwickeln, nachdem der erste Schrecken abgeklungen ist?

downrange 1Downrange löst dieses dramaturgische Problem sehr geschickt, dynamisiert das Setting, wo es möglich ist, und eskaliert das Geschehen mehrfach in einer realistischen Weise. Zugleich fokussiert der Film das Leiden der Figuren, ohne allerdings lange darin zu verharren. Immer geht es auch darum, die Bedrohung zu überwinden. So erstarrt das Geschehen nicht in Entsetzen, bis es dumpf und langweilig wird, sondern schreitet voran und hält die Spannung aufrecht. Getragen wird der Schrecken von glaubhaften, intelligenten Figuren, die menschlich wirken und zusammenarbeiten statt, wie oft im Horrorgenre, gegeneinander oder jeder für sich (aus Angst oder Selbstsucht etwa). Der eiserne Zusammenhalt in der Not ist eine angenehme Gegenperspektive zu der Vorstellung, dass sich jeder selbst der nächste ist, und schafft ein Gegengewicht zu dem anonymen Schützen: der personifizierten Unmenschlichkeit, die zum Ende hin monströse Züge annimmt.

Die explizite Darstellung von Gewalt und Verletzungen, bis hin zur Zerstückelung, unterstreicht das aussichtslose Szenario von Downrange und manifestiert dessen Schrecklichkeit visuell. Erst im Finale erlaubt sich der Film einen ironischen Zug, der allerdings so bitterböse ist, dass man auch von Zynismus sprechen könnte. Dem hartgesottenen Horrorfan wird es ein Auflachen abringen. Im Anbetracht der Ernsthaftigkeit des Films kann es allerdings nicht komisch gemeint sein. Vielleicht wird zuletzt eine Art Ironie des Schicksals in Szene gesetzt, wobei das Schicksal in diesem Film gnadenlos ist.

 

 Trailer zu Downrange - Die Zielscheibe bist du! (Achtung! Spoiler-Alarm)

 

Infobox

„Downrange - Die Zielscheibe bist du!“ (OT: Downrange)

Regie: Ryûhei Kitamura

Drehbuch: Ryûhei Kitamura, Joey O'Bryan

Laufzeit: 90 Minuten

Produzent: Genc Eleven Arts, RIM Entertainment

Verleih: Splendid Film

USA | 2017

Bildrechte: Alle Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amMittwoch, 06 Juni 2018 06:12
André Vollmer

Schriftsteller, der Kritiken schreibt; Gründer von Mellowdramatix, Studierter (Germanistik & Skandinavistik, M.A.); am Meer geboren; auf Twitter als er selbst (@avmllr) und in seinem Schreibatelier für kleinste Formen (@anderwaerts)

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