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Film

„Dead in a Week“ – Oder doch lieber leben?

Filmszene (Ausschnitt) Filmszene (Ausschnitt)

Weil William glaubt, dass er selbst fürs Sterben zu untalentiert ist, engagiert er einen Killer. Doch dann begegnet er Ellie und plötzlich ist alles anders.

Rezension

Nach unzähligen missglückten Selbstmordversuchen steht der erfolglose Schriftsteller William (Aneurin Barnard) nachts auf einer Brücke, im Rücken das Geländer und theoretisch sprungbereit. Doch irgendwie wagt er’s nicht. Mit einem Mal taucht ein älterer Herr mit Hut und Mantel auf, Leslie sein Name (Tom Wilkinson), und steckt dem zitternden jungen Mann eine Visitenkarte zu. Offenbar ist der Kerl ein Auftragskiller, der verzweifelt Kundschaft sucht. Tags darauf: William, der nicht von der Brücke gesprungen ist, schließt tatsächlich einen Kontrakt ab. Zielperson: er selbst. In Erwartung seines Ablebens ist der junge Mann plötzlich sehr erleichtert, geradezu unbeschwert. Fast wollte man sagen: glücklich. Darüber hinaus interessiert sich ebenso plötzlich ein Verlag für sein Manuskript. Damit nicht genug trifft William auch noch auf seine Seelenverwandte, die Verlagslektorin Ellie (Freya Mavor). An Sterben ist jetzt gar nicht mehr zu denken. Leslie allerdings will aus persönlichen Gründen an dem Kontrakt festhalten: Innerhalb einer Woche muss William sterben, sonst gibt’s das Geld zurück!

dead in a week 1Dead in a Week ist ein schwarzhumoriger Feel-Good-Movie, der Hoffnung stiftet und zugleich sehr einfühlsam mit der Thematik des Suizids umgeht, ohne dabei in einen aufklärerisch-didaktischen Duktus zu verfallen. Einen Funken der Düsternis zulassend, die Suizidgedanken mit sich bringen, löst diese Komödie die Schwere der Thematik in trockenem Witz auf und garniert sie mit einer Situationskomik, die an Unwahrscheinlichkeit grenzt, darum jedoch umso lustiger ist. Dazu tragen die liebenswerten Figuren mit ihrer schrulligen Art ebenfalls bei. Punktuelle Gewaltdarstellungen lassen die Schärfe des Themas nicht vergessen. Immerhin geht es um beauftragten Selbstmord. Wie in manch anderer schwarzen Komödie entwickeln allerdings auch die Gewaltmomente, so seltsam das zunächst klingen mag, eine humoristische, teils befreiende Kraft.

Die Umkehrung von Todes- und Lebenswunsch des Protagonisten William durch eine lebensverändernde Wendung zum Guten ist klassisch, aber nach wie vor aufschlussreich. Es sind die plötzliche gesellschaftliche Anerkennung des Künstlers sowie die damit einhergehende Liebesbeziehung, die sinnstiftend auf William wirken und seinen Selbstwert steigern. Mit einem Mal hat der Todessehnsüchtige Gründe zum Leben. Dummerweise ist der Kontrakt mit dem Killer Leslie schon geschlossen, der, interpretierend betrachtet, das selbsteingeleitete Sterben des Protagonisten verkörpert. Gewissermaßen folgt Dead in a Week dem leicht abgewandelten Motiv eines Selbstmörders, der erst im Sterben erkennt, welchen Wert das Leben haben kann. Statt Tragik destilliert der Film aus diesem Motiv einen eigenwilligen Humor und gestaltet es weniger aussichtslos.

dead in a week 2

Die Figur Leslie wird jedoch nicht auf die angeführte Funktion reduziert. Stattdessen birgt die komische, weil so kontrastreiche Mischung aus gealtertem Auftragsmörder und biederem Bürger einerseits eine Karikatur des britischen Spießbürgertums. Andererseits thematisiert sie das Älter werden im Beruf und den damit einhergehenden Bedeutungsverlust. Denn Leslie hat zwar ein gutes Herz, aber mittlerweile eine wacklige Hand. Um nicht von der Gilde der Auftragsmörder in den Ruhestand versetzt zu werden, muss er einen Abschuss liefern – und idealerweise ist das William, ob der nun will oder nicht.

Dead in a Week entwickelt aus einer beinahe absurden Ausgangssituation eine irrwitzige Dynamik aus Situationskomik, Liebesgeschichte und Verfolgungsjagd. Diese schwarze Komödie ist nicht nur unterhaltsam, lustig und mitreißend, sondern transportiert auch die Vorstellung, dass es trotz Verlust, Schmerz und Depression immer wieder gute Gründe geben wird, weshalb sich das Leben lohnt. Alles, was heute düster scheint, kann schon morgen ganz anders sein.

Trailer zu Dead in a Week

Infokasten

„Dead in a Week“ (OT: Dead in a Week: Or Your Money Back)

Regie: Tom Edmunds

Drehbuch: Tom Edmunds

Laufzeit: 90 Minuten

Produzent: Guild of Assassins, Rather Good Films

Verleih: Ascot Elite Entertainment Group

Großbritannien | 2018

Veröffentlichung in Deutschland 30.11.2018 (DVD/Blu-Ray)

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Letzte Änderung amMittwoch, 20 März 2019 19:31
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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„Mit Hilfe der Askese soll es manchen Buddhisten gelingen, eine ganze Landschaft aus einer Saubohne herauszulesen. Das hätten die ersten, die Erzählungen analysierten, gerne gekonnt: alle Erzählungen der Welt (sie sind Legion) aus einer einzigen Struktur herauszulesen.“

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