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Film

„Goal of the Dead“ - Untote mischen den Fußball auf

Filmszene (Ausschnitt) Filmszene (Ausschnitt)

Was passiert, wenn zombifizierte Hooligans durchdrehen und das Stadion stürmen? Richtig, das Spielfeld wird zum Schlachtfeld. Eine Abrechnung mit dem Fußball.

Kurzrezension

GotD-1Zombies wurden ja schon zu vielen Zwecken eingespannt. In Juan of the Dead dienten sie einer Satire auf den Kommunismus, in Dawn of the Dead waren sie die Kritik an der kapitalsüchtigen Konsumherde und in Cockneys vs. Zombies schlicht die Parodie ihrer Selbst. In Goal of the Dead werden die Untoten zu randalierenden Provinz-Hooligans, die es auf ihren verhassten Erzfeind abgesehen haben: die Pariser Fußball-Mannschaft. Es ist bezeichnend, dass diese Sorte Zombie die Epidemie vorantreibt, indem sie Fontänen weißen Magensuds über ihre unglücklichen Opfer erbricht, woraufhin diese dann Teil des Wutblocks werden und wie von cholerischen Schüttelanfällen gepackt alles verwüsten und niedermachen, was nicht sie selbst sind. Im Großen und Ganzen also Hooligans, wie man sie aus dem Stadion kennt. Nur dass diese Unoten nicht allein krawallgebürstet sind, sondern auch noch Heißhunger auf Menschenfleisch haben.

Für die Pariser Fußball-Profis ist das Spiel in und gegen die Provinzstadt Cap Longue keine große Nummer. Für das französische Äquivalent der Hillbillys dagegen schon. Mit Beschimpfungen und Buhrufen empfängt die stumpfe Meute die Fußballer und hat besonders für den Mannschaftskapitän Sam Lorit (Alban Lenoir) wenig übrig. Lorit nämlich stammt aus demselben Dorf wie sie, hat in ihren Augen aber seine Heimat verraten, als er nach Paris wechselte. Viel mehr Story gibt es nicht, außer eben, dass eine Zombie-Apokalypse ausbricht, als Dr. Belveaux (Philippe du Janerand) eine frisch aus Russland importierte Substanz fälschlicherweise für ein Doping-Mittel hält und sie seinem Sohn spritzt, dem Spielführer von Cap Longue.

GotD-2Goal of the Dead ist eine kurzweilige Horrorkomödie mit überzeichneten, teils absurden Figuren, die mit dem Fußball, seinen Fans und dem dahinter stehenden Gewerbe abrechnet. Egal, ob Spieler, Ultras, Groupies, Trainer oder Manager, sie werden alle durch den Kakao gezogen. Der Film macht Laune, wird aber denjenigen enttäuschen, der auf ein zweites Zombieland oder einen neuen Shaun of the Dead hofft. Ursprünglich sollte der Film auf den diesjährigen Fantasy Filmfest Nights laufen, wohin er auch ausgesprochen gut gepasst hätte. Ein Vögelchen hat uns gesteckt, warum das nicht möglich gewesen ist: Der Verleih Drop-out Cinema wollte den Zombiespaß erst zur WM veröffentlichen. Nun, nach dem nervenaufreibenden Spiel Deutschland-Ghana am vergangenen Samstag war Goal of the Dead für mich schon das Richtige, um wieder herunterzukommen.

 

Deutscher Trailer zu Goal of the Dead

Letzte Änderung amFreitag, 21 Juni 2019 20:02
Joschua Sanders

Seit längerem gibt Joschua vor, an einem Roman zu arbeiten. Niemand in der Redaktion weiß so recht, ob da etwas dran ist. In seiner Freizeit skatet er oder ist hier als Online-Autor und Blogger unterwegs.

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„Das Recht zur Kritik ist, sozusagen, ein ästhetisches Naturrecht.“

– Hugo Dinger: Dramaturgie als Wissenschaft. Bd. 1. Leipzig 1904, S. 318.