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Serie

12. Schocktober: SpongeBob „Scaredy Pants/I Was a Teenage Gary” (1999)

Filmstill (Ausschnitt) Nickelodeon Filmstill (Ausschnitt)

Die Halloween-Episode der ersten „Spongebob Schwammkopf“-Staffel zeigt, dass Halloween und Horror nicht explizit Erwachsenen vorbehalten ist. SpongeBob erlebt zwei gruselige Abenteuer.

Rezension und Einordnung

SB 3Mittlerweile ist SpongeBob eine etablierte Animationsserie, die als Zielgruppe Kinder ab 8 Jahren ansprechen soll. In der Anfangszeit von SpongeBob sorgte vor allem SpongeBobs bester Freund Patrick Star dafür, dass die Serie von sich reden machte. Der zweifellos verblödete Seestern funktioniert als trotteliger Sidekick von SpongeBob derart gut, dass er schnell zu einer Kultfigur wurde. Dabei ist besonders die Kombination aus Spongebobs Naivität und Patricks Dummheit ein Schlüsselfaktor für die Funktionalität der Dramaturgie der meisten Episoden. Dabei sollte allerdings beachtet werden, dass sowohl SpongeBob als auch Patrick einen gutmütigen Charakter besitzen, mit dem sie allerdings gelegentlich anecken. Beispielsweise bei dem zynisch-verbitterten Thaddäus, der ausgerechnet zwischen den beiden anderen lebt. Er ist ein Künstler, auf der verbitterten Suche nach Anerkennung und Erfolg. Bisher hat es nur dafür gereicht, dass er im selben Fastfood-Restaurant arbeitet wie SpongeBob. Für Letzteren ist die Tätigkeit in der Krossen Krabbe eine Erfüllung, für Thaddäus hingegen eine tägliche Qual. Dieser Effekt wird noch davon verstärkt, dass SpongeBob eine ultimative Frohnatur ist und alles positiv angeht.

SpongeBob: „Scaredy Pants“

Es ist Halloween in Bikini Bottom, der Stadt in der SpongeBob spielt. Bereits kurz vor Feierabend gruseln seine Kollegen SpongeBob, was seinen Höhepunkt darin findet, dass Mister Crabs und Thaddäus ihn fies erschrecken. Auf dem Weg nach Hause wird SpongeBob noch mehrfach erschreckt. Beim Herstellen einer Kürbislaterne zeigt sich dann jedoch, wie schreckhaft SpongeBob eigentlich ist. Er entwickelt den Wunsch auch mal derjenige zu sein, der andere erschreckt. Gemeinsam mit Patrick bastelt er ein Kostüm und verkleidet sich als Der fliegende Holländer. Das Kostüm besteht aus Holzschuhen und einem übergeworfenen Bettlaken und ist alles andere als gruselig. Dennoch planen Patrick und SpongeBob einen Streich auf der Halloween-Party in der Krossen Krabbe, der auch gelänge, wenn nicht etwas Unvorhergesehenes geschehen würde. Das macht SpongeBob erneut zur Lachnummer und beschwört zu allem Überfluss den wirklichen fliegenden Holländer herauf. Am Ende gelingt es SpongeBob alle zu ängstigen, inklusive dem fliegenden Holländer.

SB 2

Hier ist es SpongeBobs Naivität und Patricks Unreflektiertheit zu verdanken, dass SpongeBob letzten Endes doch Erfolg hat. Damit SpongeBob sich als Geist verkleiden kann, muss er oben abgerundet sein, als Schwamm ist er eckig, weshalb er Patrick darum bittet ihn mit einem elektrischen Rasierapparat zu formen. In der Pointe zeigt sich, dass von SpongeBobs Kopf nur noch Gehirn und Gesicht übrig sind. Das erschreckt alle so sehr, dass er sein Ziel zuletzt erfolgreich erreicht. Am Ende kommentiert er sein Äußeres gegenüber Patrick und erklärt, dass es sich um keine rosa Mütze, sondern sein Gehirn handle. Erst da versteht Patrick, was für eine schrecklich entstellte Person er vor sich sieht. Als Reaktion läuft er schreiend davon.

SpongeBob: „I Was a Teenage Gary”

Dieses Episodensegment orientiert sich an dem Film I Was a Teenage Werwolf von Gene Fowler Jr. aus dem Jahr 1957.  Dieser Film ist einer von mehreren, die mit „I Was a Teenage…“ beginnen. So gab es hiervon beispielsweise im selben Jahr Frankenstein oder später in der Horroranthologie Chillerama (2011) gibt es ein Segment mit der Titelfortsetzung Werebear. Der wohl witzigste dieser Titel ist allerdings nicht im Horrorgenre zu finden. Dabei handelt es sich um den alternativen Titel des Films Clueless – Was sonst? aus dem Jahr 1995: I Was a Teenage Teenager.

Jedes dieser Werke thematisiert das Erwachsenwerden und körperliche Transformationen. In den Horrorvarianten wird dann neben den eigentlichen Prozess des Erwachsenwerdens noch eine Verwandlung in ein phantastisches Wesen thematisiert. Nach diesem Strickmuster funktionieren diese Filme, die nicht ernstgemeint sind, aber doch versuchen essenzielle Herausforderungen des Erwachsenwerdens anhand einer überzeichneten körperlichen Transformation zu thematisieren.

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In dieser SpongeBob-Episode erklärt sich Thaddäus bereit auf SpongBobs Hausschnecke Gary aufzupassen, damit SpongeBob und Patrick gemeinsam verreisen können. Thaddäus erfreut sich am Wochenende ohne seine nervigen Nachbarn und genießt die Stille. Als der Reisebus nach drei Tagen zurückkehrt, erinnert er sich erstmals an die Schnecke, die nun sehr gelitten hat. Als SpongeBob wieder da ist, ruft er einen Arzt, der Gary Schneckenplasma verordnet. Durch einen Unfall wird SpongeBob von der Spritze gestochen. Er macht nun eine für Body-Horror typische Transformation durch, bis er selbst eine Schnecke ist. Anschließend begibt er sich zu Thaddäus, für den sein schlechtes Gewissen und die Konfrontation mit der SpongeBob-Schnecke eine albtraumhafte Nacht einläuten.

Fazit

Das zweite Segment der Episode verdeutlicht eindrucksvoll, dass selbst visuell krasse Horrormotive wie körperliche Transformationen kindgerecht präsentiert werden können. Das gelingt auch dadurch, dass Schreckensmomente wiederholt mit Humor konterkariert oder aufgelöst werden. Auf visuell grausame Elemente, wie den Einsatz von Horrorsäften (Blut, Speichel und andere Körperflüssigkeiten) wird hier ebenfalls verzichtet. Am Ende bleibt alles auf einem komödiantischen Kurs, der entweder zu einem Erfolg für den Protagonisten führt oder mit einer witzigen Pointe beendet wird.

Infokasten

„Scaredy Pants“ & „I Was a Teenage Gary”

SpongeBob Squarepants

Staffel 1, Episode 13

Erfinder: Stephen Hillenburg

Regie: Paul Tibbitt („Scaredy Pants“), Stephen Hillenburg („I Was a Teenage Gary”)

Drehbuch: Peter Burns und Paul Tibbitt („Scaredy Pants“), Steve Fonti, Chris Mitchell und Mr. Lawrence („I Was a Teenage Gary”)

Produktion: United Plankton Pictures

Laufzeit: 23 Minuten pro Episode

Verleih: Nickelodeon Animation Studios

Erstveröffentlichung: 27. Oktober 1999

USA | 1999

Veröffentlichung: Die Episode ist im Handel erhältlich auf DVD und als Video-on-Demand.

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amSamstag, 12 Oktober 2019 16:17
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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Because we don't know when we will die, we get to think of life as an inexhaustible well. Yet everything happens only a certain number of times, and a very small number really. How many more times will you remember a certain afternoon of your childhood, some afternoon that is so deeply a part of your being that you can't even conceive of your life without it? Perhaps four or five times more, perhaps not even that. How many more times will you watch the full moon rise? Perhaps twenty. And yet it all seems limitless.

– Paul Bowles, Autor von The Sheltering Sky