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Die neue „Dracula“-Serie auf NBC

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Diese NBC-Serie zeigt Dracula als charmanten Geschäftsmann, der in einem Intrigenspiel jenen Geheimbund zu Fall bringen will, den er einst selbst gründete.

Rezension

dracula-4Der US-Sender NBC ist bekannt dafür, gute Serien zu produzieren. Eine dieser Produktionen – diesmal in Zusammenarbeit mit dem britischen Sender Sky Living – ist definitiv die 10-teilige Fernsehserie Dracula, die von Oktober vergangenen Jahres bis Januar 2014 in den USA, Australien und Großbritannien ausgestrahlt wurde. Die titelgebende Figur, der blutsaugende Graf Dracula, dürfte zwar auf den ersten Blick wie ausgelutscht erscheinen, nachdem es nun unzählige Verfilmungen und Adaptionen von Bram Stokers Roman gegeben hat sowie jüngst den Vampir-Hype im Kielwasser der Twilight-Schnulzen. Doch das täuscht: Vlad Tepez, der Pfähler, ist tatsächlich unsterblich, das heißt dank frischer Ideen und einem interessanten Setting keineswegs langweilig. Verkörpert von Jonathan Rhys Meyers (u. a. in The Tudors) tritt der Vampir als amerikanischer Entrepreneur im England des späten 19. Jahrhunderts auf. Sein Ziel ist es, jenen Bund zu vernichten, den er einst selbst ins Leben rief: den Ordo Dracul. Denn dieser war es, der ihn zur Unsterblichkeit verdammte und in einen Sarkophag sperrte.

Überraschend, dass es gerade Professor Abraham Van Hellsing ist, der den uralten Blutsauger aus dem Jahrhunderte währenden Schlaf weckt, um ihn auf die Londoner Gesellschaft loszulassen. Immerhin ist diese Figur aus Stokers literarischer Vorlage als der berühmte Vampirjäger bekannt, der Dracula zur Strecke bringt. Doch der Van Hellsing der NBC-Adaption ist ein nicht weniger getriebener Mann als sein untoter Compagnon. Auch ihm wiederfuhr Schreckliches durch die Hand des Geheimbundes, der mittlerweile viele wichtige Positionen in Englands Wirtschaft und Politik besetzt. So ergibt sich ein ungleiches Gespann, das allein ein gemeinsames Ziel vereint: Rache. Und die will von langer Hand geplant sein, denn Dracula, der sich jetzt Alexander Grayson nennt, beabsichtigt, die Mitglieder des Ordo Dracul wirtschaftlich und gesellschaftlich zu ruinieren, bis er einen nach dem anderen ausschalten kann.

dracula-6Die Serie lebt von den verwickelten Beziehungen der Figuren, wie schon an der Partnerschaft des Vampirs mit Van Hellsing (Thomas Kretschmann) deutlich wird. Daneben finden sich unter anderem noch die Vampirjägerin Lady Jayne Wetherby (Victoria Smurfit), die mit dem Geschäftsmann Grayson liebäugelt, ohne dessen wahre Natur zu kennen, und die unschuldige Mina Murray (Jessica De Gouw), allem Anschein nach die wiedergeborene Geliebte Draculas. Sie aber ist von Kindesbeinen an dem aufstrebenden Jonathan Harker (Oliver Jackson-Cohen) versprochen, der bald für den Vampir und seine Projekte arbeitet, ebenso unwissend wie alle anderen, mit wem er sich da eingelassen hat.

Abgesehen von dem spannend erzählten Intrigenspiel, in dem Dracula oft Gefahr läuft, enttarnt zu werden, ist es der Charakter des Vampirs selbst, der in den Bann zieht. Die Natur des Blutsaugers, wie man sie vor Twilight kannte, passt unglaublich gut zu der Rolle des Geschäftsmannes, da beiden etwas Raubtierhaftes, Unbeugsames und Zielstrebiges zu Eigen ist. Dracula ist hier ein Mann des Fortschritts, der dem viktorianischen London neue wissenschaftliche Entdeckungen verkaufen will. Besonders interessiert er sich für die Elektrizität, mit der er den Menschen verspricht, die Nacht zum Tag werden zu lassen – natürlich nicht ganz uneigennützig. Als der Cavalier, der er vorgibt zu sein, ist sich Dracula aller Gepflogenheiten der High-Society bewusst und bewegt sich mit stets perfektem Auftreten durch die oberen Schichten. Er ist intelligent, charmant und gutaussehend, aber deswegen nicht weniger gerissen und kühl kalkulierend.

dracula-5Trotz dieser idealisierten Attribute haben die Macher nicht die Kehrseite dieser Figur vergessen: das gierige und zornige Tier, das der Vampir ist, den Part seiner Seele, der unkontrollierbar und hungrig bleibt. Damit knüpft die Serie an frühere Motive an, die weniger ein engelsgleiches Wesen als mehr den Manipulator und Verführer verkörpern. Durch diese Mischung aus Bewunderung für Draculas Fähigkeiten und dem Bösen, das er verfolgt, entwickelt der Charakter Sogwirkung. Auch wenn seine Ziele durch das Rache-Motiv legitimiert sein mögen, zumindest auf einer niederen Ebene menschlichen Fühlens, so ist diese Figur doch keineswegs der rein positive Protagonist, der den Zuschauer ohne weiteres zur Identifikation einlädt. Eben dieser Widerspruch ist großartig. Die NBC-Serie porträtiert einen Vampir, dessen Wesen glaubhaft zwischen Raubtier und Menschlichkeit hin und her schwappt, und ist damit alles andere als Kitsch, Romantasy oder Schnulz, sondern im Gegenteil hypnotisierend und äußerst spannend.

Deutsche Zuschauer können sich auf diese Serie freuen, denn laut Serienjunkies hat RTL die Ausstrahlungsrechte für Deutschland erworben und plant die Serie noch im Laufe dieses Jahres bei VOX zu senden.

 

Trailer zur Serie Dracula

Letzte Änderung amFreitag, 21 Juni 2019 21:15
Edvard Solstad

Edvard schreibt über Horror und Phantastik, deren literarische Formen ihn am meisten interessieren.

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„Der Begriff Horrorliteratur bezeichnet eine Literaturgattung, deren Gegenstand die Schilderung von angsteinflößenden und oft übernatürlichen Ereignissen ist. Dabei rücken überwiegend die grausigen Motive der Handlung (Monster, Untote, Dämonen, Entstellungen, Qualen etc.) in den Vordergrund bzw. Mittelpunkt.“

– Wikipedia