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„The Dry“ – Vergänglichkeit und Melancholie

Filmszene (Ausschnitt) Leonine Distribution Filmszene (Ausschnitt)

Dieser auf dem Bestseller von Jane Harper beruhende Crime-Thriller ist eine Konfrontation mit der Vergangenheit, die nur so lange ruht, bis sie geweckt wird.

Kurzrezension

Federal Agent Aaron Falk (Eric Bana) ist in seine Heimatstadt zurückgekehrt, um der Beerdigung seines Jugendfreundes Luke (Martin Dingle Wall) beizuwohnen. Im Zuge dessen erfährt er, dass Luke, bevor er sich erschoss, auch Frau und Kind getötet haben soll. Diese plötzliche und sehr drastische Gewalttat berührt unweigerlich einen ungeklärten Mord aus Aarons Jugend. Als man damals den leblosen Körper der 17-jährigen Ellie Deacon (BeBe Bettencourt) aus dem Fluss fischte, war Luke ins Visier der Polizei geraten. Doch der Verdacht konnte abgelenkt werden, weil Aaron ihm ein Alibi verschaffte. War das ein Fehler gewesen?

dry 1The Dry ist ein Crime-Thriller, der eine sehr persönliche Geschichte erzählt. Der Protagonist, Aaron Falk, wird mit dem alles verändernden Moment aus seiner Vergangenheit konfrontiert: dem Mord an seinem Jugendschwarm Ellie Deacon. Das reißt alte Wunden auf. Ungeklärte Fragen werden erneut aufgeworfen, alte Schuldzuweisungen wieder lebendig. War es womöglich doch Luke gewesen? Und welche Rolle spielte Aaron? Gekonnt arbeitet der investigative Plot mit Verdachtsmomenten und falschen Fährten. Sehr stimmungsvoll sind die eingeschobenen Rückblenden, die Aaron (Joe Klocek), Luke (Sam Corlett) und Ellie zusammen mit dem Nachbarsmädchen Gretchen (Claude Scott-Mitchell) als jugendliches Viergespann zeigen. Diese Retrospektiven sind klar als Erinnerungsschübe der Hauptfigur zu deuten, die durch Orte oder Gegenstände getriggert werden. Kunstvoll werden so Vergangenheit und Gegenwart ineinander verschränkt. Der Kontrast von Damals und Heute machen die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins spürbar, insbesondere weil Aaron auch wieder auf Gretchen (Genevieve O'Reilly) trifft, an der die Jahre ebenso wenig vorbeigegangen sind wie an ihm. Obschon durchweg spannend ist dieser Thriller daher auch melancholisch. Er ist es sowohl durch den Rückblick auf die gute alte Zeit, die aufgrund eines Schicksalsschlages jäh endete und für immer verloren ist, als auch durch die schlussendlich zu Tage geförderte Erkenntnis, dass selbst in der guten alten Zeit nie alles gut gewesen ist und der Schrecken längst unter der Oberfläche gebrodelt hat. Diese Stimmung wird von dem kargen Land, das durch die titelgebende Dürre ausgemergelt ist, visuell unterstrichen. Insgesamt weist dieser auf einer Romanvorlage basierende Film eine in sich schlüssige und aus sich selbst hervorgehende Geschichte auf, die handwerklich hervorragend gearbeitet ist.

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Fazit: Melancholischer Thriller, der fesselt

The Dry verquickt einen aktuellen Mordfall mit einem Cold Case aus der Vergangenheit der ermittelnden Hauptfigur, die sich mit einem frühen Verlust und alten Anschuldigungen konfrontiert sieht. Auf zwei Zeitebenen erzählt wird der Film so zu einem fesselnden Crime-Thriller über Vergänglichkeit, alte Wunden und dunkle Geheimnisse, die, wenn überhaupt, oft erst sehr spät im Leben ans Tageslicht treten.

 

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Trailer zu The Dry

 

Infokasten

„The Dry“

Regie: Robert Connolly

Drehbuch: Harry Cripps, Robert Connolly

Romanvorlage: Jane Harper

Laufzeit: 117 Minuten

Produzent: Steve Hutensky, Jodi Matterson, Bruna Papandrea

Verleih: Leonine Distribution

Australien | 2020

Veröffentlichung: 10. September 2021 (DVD/Blue-Ray)

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Letzte Änderung amDienstag, 13 Juli 2021 07:08
André Vollmer

Schriftsteller. Forscher. Phantast. Am Meer geboren. Gründer von Mellowdramatix.

© 2007 - 2020 Mellowdramatix – Fachmagazin & Blog für Phantastik, Horror, Science-Fiction