log in

Film

Der koreanische Vampirfilm „Durst“

Filmszene (Ausschnitt) Filmszene (Ausschnitt)

Heute Abend setzt der Sender 3sat sein BissFest fort und zeigt den koreanischen Vampirfilm Durst, der etwas anders daherkommt als die westliche Vampirkost.

Kurzrezension und Bericht

Heute Abend setzt der Sender 3sat sein BissFest fort und zeigt nach der Dokumentation Dracula lebt – Das Vermächtnis des Grafen den etwas anderen Vampirfilm Durst um 22.25 Uhr. Der koreanische Vampirfilm lief 2009 auf dem Fantasy Filmfest und erhielt im selben Jahr den Jury-Preis in Cannes.

Ein Pater will Gutes tun und nimmt an einem Experiment teil, das von insgesamt 500 Testpersonen nur er übersteht. Er stirbt wie alle an dem injizierten Virus, doch auf eine perfide Art scheint Gott seine Gebete während der Inkubationszeit erhört zu haben, Gebete, die plötzlich wieder über seine Lippen strömen, als die Ärzte bereits das Leichentuch über seine Augen gelegt haben. Wie einen Heiligen empfangen die Menschen den Pater, als könne er die Pest heilen. Doch überlebt hat er nur durch die Transfusion von Blut eines Nächtlichen. Eines Vampirs. Und ist dadurch selbst zu einem geworden. Schließlich führt ihn sein Amt als Pater in eine Familie, in der nur an der Oberfläche alles in Ordnung zu sein scheint. Die ungewollte Adoptivtochter, verheiratet an den Sohn der Familie, wirft ein Auge auf den Vampirpater – bis beide die Lust nicht mehr unterdrücken können.

durst1

So wie ich den koreanischen Film bisher erlebt habe, wird dort erfrischend anders erzählt als in westlichen Filmen, zumindest anders aus europäischer Perspektive. Ähnlich wie in The Yellow Sea und The Host geht der Film sehr ruhig vor, nimmt sich Zeit zum Erzählen und entwickelt die Handlung in ungewöhnliche Richtungen. Zugegeben, Durst weist viele bekannte Vampirmotive auf, so etwa den gefallenen Gottesmann und die dem Helden nahestehende Person, die nach ihrer Vampirwerdung zur unkontrollierbaren Bestie wird, wo sie doch eigentlich vor dem endgültigen Tod gerettet werden sollte. Dadurch scheint Durst weniger ungewöhnlich für einen europäischen Zuschauer als die beiden anderen Filme. Der Schwerpunkt auf der Beziehung zwischen Vampir und Adoptivtochter innerhalb einer Familie, die ohnehin schon gestört wirkt, eine Liebesgeschichte im Zentrum der Handlung, die eigentlich nur einem frevelhaften unnatürlichen Rausch gleicht, das erscheint dagegen als etwas Neues. Das Vampirsein mitsamt seinen typischen Attributen wird zu einer Kraft in dem wackeligen Sozialgefüge, welche das Paar zunehmend korrumpiert, bald schon ihre einzige Gemeinsamkeit gefährdet – die Lust – dann ihr Zusammensein überhaupt in Frage stellt, während auf dem teils blutigen, teils psychisch destruktiven Pfad dorthin, ihr ganzes Umfeld zerrissen wird und Mitmenschen sterben.

Sendertermin: Donnerstag, 27.10., 22.25 Uhr auf 3sat

 

Trailer zu Durst

Letzte Änderung amFreitag, 21 Juni 2019 10:20
Edvard Solstad

Edvard schreibt über Horror und Phantastik, deren literarische Formen ihn am meisten interessieren.

Schreibe einen Kommentar

Unter anderem auch das . . .

„Das Grauen (seltener: der Graus) ist ein Substantiv der gehobenen Umgangssprache für ein gesteigertes Gefühl der Angst oder des Entsetzens, das meist mit der Wahrnehmung des Unheimlichen oder Übernatürlichen verknüpft ist. Es rührt sprachgeschichtlich vom mhd. grûwen, „Schauder“ her, welcher Begriff auch als Synonym verwendet wird.“

– Wikipedia