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Film

Leben erfordert Veränderung, Überleben benötigt Anpassung: „Titane“

Empfehlung Filmstill (Ausschnitt) Koch Films, et. al. Filmstill (Ausschnitt)

Julia Ducournau gewinnt mit dem extremen Film Titane den großen Preis der Jury in Cannes und geht vermutlich für Frankreich ins Rennen um Oscar und Golden Globes.

Kurzrezension

Titane 2Kenner*innen des abseitigen europäischen Kinos sind bereits durch Raw, das Kinofilm-Debüt von Regisseurin Julia Ducournau, auf die diesjährige Gewinnerin der Goldenen Palme aufmerksam geworden. Hierzulande war Raw auf dem Fantasy Filmfest 2017 zu sehen, veröffentlicht wurde das Werk bereits 2016. Raw überzeugt durch ein cleveres und überraschendes Drehbuch sowie ein großartiges Darsteller*innen-Ensemble. Während Raw das Erwachsenwerden einer jungen Frau in einem universitären Umfeld ins Zentrum stellt, wird in Titane ein anderer Pfad eingeschlagen.

Titane 6Die junge Frau Alexia (Agathe Rousselle) war als Kind in einen Autounfall verwickelt und hat seitdem eine Titanplatte in ihrem Kopf. Jahre später hat sie sich zu einer selbstbestimmten und starken Frau entwickelt, die als erotische Tänzerin und Beiwerk zu Automobil-Shows ihr Geld verdient. Von diesem Punkt aus erzählt Titane eine Geschichte, die absolut nicht vorhersehbar ist. Um den Genuss der Filmrezeption nicht zu beeinträchtigen, soll nichts weiter über den Inhalt des Werkes preisgegeben werden.

Titane 4

Julia Ducornau inszeniert auch in ihrem zweiten Kinofilm die Geschichte einer Frau. Doch hier steht die Transformation der Frau im Mittelpunkt, die sich immer weiter anpasst, damit ihr Überleben gesichert ist. In der Folge entstehen einige heftige, bizarre oder gar verstörende Momente innerhalb des Werkes. In der Gesamtheit ist Titane ein intensiver Film, der wie eine Reise ist, ein langer fiebriger Traum, anders als alles, was zuvor gemacht wurde.

Titane ist zweifellos einer der überraschendsten Filme dieses noch jungen Jahrhunderts. Die Auszeichnung mit der Goldenen Palme beim Filmfestival in Cannes erscheint zwar auf den ersten Blick mutig, doch beachtet man, dass dieser Film tatsächlich etwas komplett Neues erzählt und sehenswert und interessant inszeniert, dann ist diese Auszeichnung verdient. Leider durfte ich den Film allein im Kino ansehen; ob das an der Pandemie liegt, an Vorurteilen oder Berührungsängsten, bleibt allerdings unklar. Ungeachtet dessen ist Titane einer der besten Horrorfilme, die je gemacht wurden.

Titane 3

Infokasten

„Titane“

Regie: Julia Ducournau

Drehbuch: Julia Ducornau mit Assistenz von Jacques Akchoti, Simonetta Greggio, Jean-Christophe Bouzy

Produktion: Kazak Productions, Frakas Productions, Arte France Cinéma, VOO, BeTV, Canal+, Ciné+, Cinémage 15, Cofinova 17

Verleih: Koch Films (Kino), Koch Media (DVD, BD, VoD)

Laufzeit: 108 Minuten (uncut)

Frankreich, Belgien | 2021

Kinostart: 07. Oktober 2021

Veröffentlichung: Ab dem 27. Januar 2021 auf DVD, Blu-ray-Disc und als Video-on-Demand im Handel erhältlich.

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Letzte Änderung amDienstag, 16 November 2021 22:05
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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"Games introduced us to a symbiotic relationship with machines that we took for granted."

(aus Gordon Calleja (2011) In-Game, S.2)

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