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„Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch“

Screenshot der Website Dr. Bernhard Scheid Screenshot der Website

Dieses Online-Handbuch bietet einen leichten Einstieg in Japans Religionen. Das Verständnis japanischer Geschichten in Videogames und anderen Medien kann das erleichtern.

Lesehinweis: Online-Wissensressource

Manchmal können Geschichten aus Japan in Teilen sehr fremdartig wirken, ganz gleich ob es sich dabei um beispielsweise Videogames, Romane, Manga oder Filme handelt. Berücksichtigt man, dass diese Medieninhalte aus einer Kultur stammen, die von den westlichen Kulturen sehr verschieden ist, verwundert diese Fremdartigkeit kaum mehr. Im Gegenteil kann sie neugierig machen und derart über den Umweg der exportierten Geschichten dazu einladen, sich eingehender mit Japan zu beschäftigen. Im Kontext von Phantastik und Horror kann das Fremdartige oft aus religiösen und mythologischen Vorstellungen resultieren, die für das Verständnis einer Geschichte stillschweigend vorausgesetzt werden, hierzulande aber weitgehend unbekannt sind. Wer diese kulturellen Codes nicht kennt, übersieht sie, missinterpretiert sie oder erfährt den Eindruck von Fremdartigkeit, weil sich der verborgene Sinn nicht erschließen will.

Möchte man zum Beispiel in den hierzulande populären Videogames oder Animationsfilmen Japans religiöse oder mythologische Elemente erkennen und verstehen können, ist es notwendig, sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Einen kostenlosen und vor allem leichten Einstieg in die japanische Religion bietet hier das Webhandbuch Religion-in-Japan (1), das im Wesentlichen von dem Japanologen Dr. Bernhard Scheid verfasst wurde und bis auf den heutigen Tag von dem Forscher ergänzt und überarbeitet wird. Da es sich hierbei um eine wissenschaftlich fundierte Publikation handelt, die auf den Webservern der Wiener Universität gehostet wird, kann man dieser Quelle viel Vertrauen entgegenbringen. Dr. Bernhard Scheid ist am Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig. Seit vielen Jahren erforscht er die Kultur Japans, insbesondere den Shintoismus.

Das Webhandbuch Religion-in-Japan ist ein Überblickswerk, das sich an Studierende der Japanologie oder der Religionswissenschaften sowie an Japaninteressierte im Allgemeinen richtet. In sieben Kapiteln versucht es den Leser:innen die zwei wichtigsten Religionen Japans, den Buddhismus und den Shintoismus, näherzubringen (Grundbegriffe, Tempel und Schreine, Alltag und Praxis, Ikonographie, Mythologie, Geschichte und Schriften). Das Kapitel Grundbegriffe skizziert die zwei Religionen anhand ihrer Grundwerte und ihrer wichtigsten geschichtlichen Fakten. Das Kapitel Tempel und Schreine wirft einen Blick auf die religiösen Bauten Japans. In dem Kapitel Alltag und religiöse Praxis geht es unter anderem um Schrein- und Tempel­besuche, religiöse Feste und Riten für Ver­storbene. Das Kapitel Ikono­graphie bietet eine Ein­füh­rung in die Welt der religi­ösen Statuen und Bilder Japans. Das Folgekapitel Mythologie vertieft und ergänzt diese Thematik. Neben den klassi­schen Mythen des japanischen Alter­tums werden auch Geister- und Jenseits­vor­stel­lungen vorgestellt. Das Kapitel Geschichte (bzw. Religionsgeschichte) führt die im ersten Kapitel aufgeworfenen Themen weiter aus und liefert eine Chronologie der Religionen Japans. In dem letzten Kapitel Schriften findet sich eine Auswahl der wichtigsten religi­ösen Lehren und ihren Quellen­texten.

Diese sieben Kapitel werden außerdem durch die Rubrik Essays ergänzt, die zusätzlich verschiedene religiöse Themen skizzenhaft beleuchten. Unter den Essays befindet sich auch der Text Horrorklassiker aus der Edo-Zeit (2), der mehrere Geisterwesen aus der japanischen Mythologie vorstellt. An dem genannten Essay lässt sich gut illustrieren, wie leichtverständlich einerseits die Sprache dieses Handbuchs ist. Andererseits zeigt dieser Text auch sehr schön, wie Dr. Bernhard Scheid seine Texte mit zahlreichen Digitalisaten von japanischen Farbholzmalereien veranschaulicht. Zirka 250 Artikel umfasst derzeit das Handbuch, das der Forscher als „work in progress“ verstanden wissen möchte. Der neueste Artikel stammt aus dem Januar 2019.

Technische Grundlage von Religion-in-Japan ist die Open-Source-Software MediaWiki. Entsprechend erleichtern und erweitern viele interne und externe Verlinkungen die Lektüre dieses Handbuch. Aber auch optisch sind die Querverweise wunderbar hervorgehoben, nämlich am rechten Seitenrand, sodass benachbarte Themen leicht erschlossen werden können.  Fußnoten und Abbildungsnachweise sorgen für adäquate Quellennachweise – ein Standard im wissenschaftlichen Kontext, aber im Internet dennoch bemerkenswert. Zudem passt sich das Handbuch dynamisch an die Display-Größe der Endgeräte an, sodass Religion-in-Japan auch gut unterwegs auf dem Smartphone gelesen werden kann.

Wer schon immer einmal in die Religion und Mythologie Japans einsteigen wollte, kann dieses Vorhaben durchaus mit dem Handbuch Religion-in-Japan beginnen. Für das Verständnis vieler populärer japanischer Geschichten, insbesondere phantastischer und solche aus dem Horrorbereich, kann eine derartige Lektüre sehr hilfreich sein. Abgesehen davon ist es eine bereichernde Unternehmung. Natürlich darf man nicht vergessen, dass es nicht allein Religion und Mythologie sind, die sehr verschieden sind. Auch andere Bereiche der Gesellschaft unterscheiden sich stark, etwa das Bildungssystem und die Werteordnung. Entsprechend können Kenntnisse der Religion und Mythologie Japans nur Bausteine eines umfassenden Verständnisses sein.

Der Link zu dieser Online-Wissensressource ist fortan in unserer Weblink-Datenbank verzeichnet und kann von dort aus jederzeit aufgerufen werden.

Endnoten

(1) Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 2.2.2019). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Religion-in-Japan

(2) „Horrorklassiker aus der Edo-Zeit.“ In: Bernhard Scheid (Hg.), Religion-in-Japan: Ein Web-Handbuch. Universität Wien, seit 2001 (Stand: 3.12.2018). URL: https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Essays/Horrorklassiker?oldid=71362

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Letzte Änderung amDonnerstag, 28 Februar 2019 20:01
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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„Das Schattenreich ist das Paradies der Phantasten.“

 

aus Immanuel Kants Träume eines Geistersehers