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Film

„Turbo Kid“ von A. Whissell, Fr. Smith & Y.-K. Whissell

Filmplakat (Ausschnitt) Filmplakat (Ausschnitt)

Turbo Kid ist eine 80er-Jahre-Hommage in den Wastelands einer untergegangenen Welt. Splatter und Plotholes sind garantiert! Für einen guten Film genügt das nicht.

Kurzrezension

1997 – die Welt, wie wir sie kennen, ist gemeinsam mit den 80ern untergangen, zurückgeblieben eine Schutthalde, in der die Überlebenden nach dem Faustrecht leben. Ein Waisenkind, genannt The Kid (Munro Chambers), düst mit BMX und Walkman durch die Kieswüste, sammelt Schrott für einen bisschen Wasser und den einen oder anderen Superhelden-Comic. Alsbald trifft der Junge auf Apple (Laurence Leboeuf), ein hyperaktives, quirliges Mädel mit wasserstoffblonden Haaren, das extrem anhänglich ist. Dummerweise gibt es zudem bald Ärger mit dem Boss der Gegend (Michael Ironside), der die letzte Ansammlung von Menschen kontrolliert und einen Fable für die guten, alten Gladiatorenkämpfe hat. Was käme da nicht gelegener als ein Superhelden-Anzug, den der Junge aus einem verschütteten Hightech-Flieger ausbuddelt, um den Tag zu retten? Wäre da nur nicht immer wieder der Ärger mit den Batterien…

Nur ganz knapp ist Turbo Kid an Platz 1 der Berliner Publikumsabstimmung für den Fresh Blood Award vorbeigeschrammt. Gekürt wurde das beste Regiedebüt des Fantasy Filmfestes 2015, das in den Augen der Berliner Zuschauer Shrew’s Nest aus Italien ist – mit Abstand eins der diesjährigen Glanzlichter. Umso verstörender, dass ein hohler Crowd-Pleaser wie Turbo Kid so dicht folgt. Ich kann die Aufschreie schon jetzt hören. Immerhin feierte das Publikum diesen Film, der reihenweise Splatter-Effekte, eindimensionale Charaktere und mittelmäßige Schauspielleistung bietet. Splatter kann toll sein, keine Frage. Dann aber bitte wie in der Hatchet-Trilogie, die obwohl sie sich nicht ernstnimmt, keine Handlung vorgaukelt wie Turbo Kid. Einzig die Mucke der 80er Jahre, vor allem der Elektro jener Zeit, und die Nostalgie, wenn auch dick aufgetragen, haben etwas Ansprechendes.

Um diesen Wasteland-Roadmovie auf Fahrrädern, dessen Grundidee gar nicht schlecht ist, überhaupt genießen zu können, hätten weder die Plotpoints so traurig stumpf hintereinander weggeschrieben werden dürfen, noch hätte das framing so unsäglich unschön sein müssen, dass man den Eindruck gewinnt, einen besseren Fanfilm auf Youtube zu betrachten. Ganz abgesehen davon, dass statt eines 80er-Jahre-Looks, der eine Hommage an die Filme dieser Zeit optisch gestützt hätte, lieber eine Erscheinung gewählt wurde, die den Film so clean wie den Digitalfilm aussehen lässt, der er ist. Auch wenn Turbo Kid Trash sein will, genügen ein paar hübsch gemachte Kostüme und Blutfontänen ohne Ende dafür nicht aus, es braucht mehr Substanz. Sorry, aber gut gemeint ist nicht gut gemacht.

Trailer zu Turbo Kid

Infokasten

„Turbo Kid“

Regie: François Simard, Anouk Whissell, Yoann-Karl Whissell                    

Drehbuch: François Simard, Anouk Whissell, Yoann-Karl Whissell

Laufzeit: 93 Minuten

Produzent: EMA Films, Epic Pictures Group, Timpson Films

Verleih: Ledick Filmhandel

Canada | New Zealand | USA 2015

Letzte Änderung amFreitag, 29 September 2017 14:56
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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„Das Wort Kunst bezeichnet [...] im engeren Sinne Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selber sein.“

– Wikipedia