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„Replace“ – Ästhetischer Body-Horror, der unter die Haut geht

Filmplakat (Ausschnitt) Filmplakat (Ausschnitt)

Und zwar wörtlich unter die Haut: Kira leidet an einer Krankheit, die ihre Haut rapide altern lässt. Um ihre Jugend zu wahren, schlüpft sie in eine neue.

Kurzrezension

Rep 2Aber damit nicht genug: Kira (Rebecca Forsythe) hat zudem Probleme mit der Erinnerung, leidet unter Visionen und findet sich entsprechend kaum mehr in ihrem Leben zurecht. Ihre einzige Bezugsperson wird ihre Nachbarin Sophia (Lucie Aron), die seltsam aufdringlich ist und sie in eine Liebesbeziehung verwickelt. Als die Krankheit dann schlimmer wird, die trocken-spröde Hautfläche sich von ihrer Hand bis über Arm und Schulter ausbreitet und in blutigen Streifen abzuziehen ist, konsultiert Kira die Ärztin Dr. Crober, gespielt von der legendären Scream-Queen Barbara Crampton. Parallel hierzu entdeckt Kira durch einen Unfall, dass ihr Körper fremde Haut akzeptiert, die augenblicks mit dem Gewebe darunter verwächst. Aus Angst vor der Entstellung und dem Verlust ihrer jugendlichen Schönheit beginnt sie das Problem selbst in die Hand zu nehmen und geht auf die Jagd. Aber wie es scheint, steht hinter ihrer Krankheit noch eine viel höhere Ursache, von der Kira noch nichts ahnt.

Replace ist ein unglaublich schön fotografierter Film, der einerseits mit sehr dunklen oder flackernd farbintensiven Bildern Gassen und Diskotheken inszeniert, andererseits mit lichtdurchfluteten, weichgezeichneten Bildern das Apartment, in dem Kira lebt. Ersteres gibt dem Film eine Düsternis, die zu dem Abgrund passt, der sich in der Protagonistin auftaut, und taucht ihn dann in satte Farben, welche die Morde an jungen Frauen als grauenhafte Exzesse unterstreichen. Das Lichtdurchflutete in Kombination mit der Weichzeichnung schiebt das Erzählte in einen traumhaften, unrealen Look, der sich wiederum gut zu Kiras Amnesie fügt sowie zu der achronischen Erzählweise von Replace. Immer wieder verschachtelt der Film Szenen ineinander und überlagert sie miteinander. Zudem sind da noch Kiras Visionen, von denen zunächst nicht klar ist, woher sie stammen, die aber unmittelbar mit der im Film gezeigten Wirklichkeit verschmelzen und dem Ganzen so noch einen phantastischen Anstrich geben. Auch das trägt zum Traumhaften und Geheimnisvollen der Handlung bei – und tatsächlich: ein Geheimnis birgt die Handlung noch, das hier nicht verraten wird. Dieser Cocktail, dem neben Body-Horror noch Science-Fiction sowie eine Liebesgeschichte beigemischt sind, wird mit einem schicken Synthesizer-Soundtrack sowie – total kontrastreich – mit klassischer Musik von Vivaldi und Chopin abgeschmeckt.

Rep 3Wie deutlich wird, ist Replace ein Film, der viel Wert auf Ästhetik legt. Der Schrecken und das Grauen werden hier durch die Bildgestaltung und die ruhigen Kamerafahrten aufgefangen – und doch bewahrt dieser wunderschöne Film seinen ganz eigenen Horror, wartet partiell mit ekelerregenden Momenten auf, die im Gegensatz zu der sonstigen Gestaltung stehen, etwa wenn Kira ihre Opfer häutet und sich die Schuppenflechten vom Fleisch zieht.

Replace ist hochgradig ästhetisierter Body-Horror, eine phantastische Geschichte, die sich um Selbstfindung und das Verlangen nach ewiger Jugend dreht.

Trailer zu Replace

Infokasten

 „Replace“

Regie: Norbert Keil

Drehbuch: Norbert Keil, Richard Stanley

Laufzeit: 101 Minuten

Produzent: Felix von Poser

Verleih: Wild Bunch Germany

Deutschland | Kanada | 2017

Letzte Änderung amMittwoch, 20 September 2017 12:01
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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