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Unterirdisch erzählt: „Die Dämonenjäger“

Filmausschnitt Tiberius Film | Sony Pictures Filmausschnitt

Finger weg! Es sei denn, man steht auf Trash, Macho-Gehabe und eine lieblose, von Logikfehlern und Auslassungen zerrüttete Dämonenjagd. Na, Waldmannsheil!

In Kürze: 250 Wörter über…

daemonenjaeger 1Es gibt eine Menge Trash, der Kult geworden ist. Vielleicht wegen der Absurdität der Handlung, vielleicht wegen der kruden Inszenierung, vielleicht wegen beidem. Oft sind trashige Filme deshalb sehr vergnüglich, ob nun unwillkürlich oder mit voller Absicht. Ebenso oft langweilen derartige Film bloß, weil sie im Wortsinn von Trash ‚Erzählschrott‘ sind. Wollte man dem philippinischen Horrorkrimi Die Dämonenjäger ein Label aufdrücken, eignete sich Trash hervorragend. Denn die Handlung ist absurd, die Inszenierung krude, das Figurenensemble durchweg unglaubwürdig.

Die Grundidee ist nicht schlecht, ein wenig wie aus einem Groschenroman: Ein Dämon hat in grauer Vorzeit ein Samurai-Geschlecht verflucht. Deren Nachfahren, eine einflussreiche Yakuza-Familie, sieht sich nun ebenfalls von der bösen Entität bedroht, die derweil unschuldige Frauen auf den Philippinen tötet, darunter auch die Verflossene des Cops Tony (Cesar Montano). Die Spurensuche führt ihn und seine Partnerin Jane (Meg Imperial) bald zu den Yakuza, mit denen die beiden sich, um das Böse aufzuhalten, wohl oder übel verbünden müssen.

Diese Geschichte hätte ein unterhaltsames Abenteuer sein können, das bekannte Erzählmuster aufgreift und Horror mit Action mischt. Leider ist der Film lieblos erzählt, stellenweise sogar unvollständig. Schlicht animierte Szenen, gezeichnet, als stammten sie aus einem Storyboard, kitten die Lücken. Auch wenn das Budget für diese Szenen gereicht hätte, bleibt ein Großteil der Handlung dramaturgisch schlecht strukturiert. Dadurch wirkt das Geschehen entweder belanglos oder schematisch. Absurde Sprünge, weil wichtige Erzählschritte ausgelassen werden, tragen nicht dazu bei, die Motivationen der Figuren nachvollziehbar zu machen. Zumal gerade die männlichen Figuren ein fragwürdiges Macho-Gehabe an den Tag legen, das nicht handlungsrelevant ist, anders als etwa in der belgischen Krimi-Serie Code 37, in der ein Macho-Cop sich plötzlich mit einer Chefin konfrontiert sieht. Das nämlich hat Konfliktpotenzial.

Was bleibt, sind mäßige Splatter-Effekte, eine paar nette Martial-Arts-Choreographien und Schießereien in einer absolut unzusammenhängend erzählten Dämonenjagd. Definitiv kein DVD-Tipp! Es sei denn, man mag genau das: Erzählschrott.

 

Trailer zu Die Dämonenjäger

 

Infokasten

„Die Dämonenjäger“ (OT: Nilalang)

Regie:   Pedring Lopez

Drehbuch: Pedring Lopez, Dennis Empalmado

Laufzeit: 90 Minuten

Produzent: Welovepost, Parallax Studios u.a.

Verleih: Sony Pictures, Tiberius Film

Philippinen | 2015

Veröffentlichung in Deutschland 05.07.18 (Direct-to-DVD)

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amFreitag, 20 Juli 2018 19:59
André Vollmer

Kein Kritiker. Aber ein Schriftsteller, der ab und an Kritiken schreibt. Am Meer geboren.

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Helmut Schmidt im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo (2012) im Zeit Magazin Nr. 17 vom 19.04.2012, S. 57