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Film

Fremde Schrecken: „Blood Conscious“

Filmstill (Ausschnitt) Ben Cove Entertainment, Old Bear Film Filmstill (Ausschnitt)

Als Kevin und seine Schwester Brittney gemeinsam mit ihrem Verlobten Tony am abgelegenen Urlaubsort ankommen, finden sie die anderen Urlauber*innen tot vor.

Rezension

Blood 3Brittney (DeShawn White) und Tony (Lenny Thomas) sind verlobt und werden in Kürze heiraten. Die beiden haben Brittneys jüngeren Bruder Kevin (Oghenero Gbaje) im Auto und sind auf dem Weg zu einem entspannten Familienurlaub mit den Eltern von Brittney und Kevin. In einer abgelegenen Ferienhaussiedlung an einem See, tief im Wald wurden zwei Häuser gemietet und alles könnte wunderschön und entspannend werden. Als die drei jungen Leute am Zielort ankommen, ist dort kein Mensch zu sehen. Alles liegt still, nahezu verlassen da. Nach kurzer Zeit findet Kevin seine toten Eltern, die auf brutale Weise ermordet wurden. Ein psychopatisch wirkender weißer Mann (Nick Damici) taucht plötzlich auf und nimmt die drei Neuankömmlinge in Gewahrsam. Er faselt irgendwas von Dämonen, die von den Leuten Besitz ergriffen hätten. Kurz darauf verschwindet er wieder und lässt Kevin, Brittney und Tony ohne Kommunikationsgeräte zurück.

Regisseur und Drehbuchautor Timothy Covell wählt einen ungewöhnlichen und weitgehend neuartigen Ansatz für die Inszenierung der dämonischen Schrecken in Blood Conscious. Sein Langfilm-Debüt ist zum einen ein kammerspielartiger Thriller, bei dem sich die Figuren zunehmend gegenseitig zur Bedrohung werden. Zum anderen stellt Blood Conscious eine schwarze Familie in den Handlungsmittelpunkt und wird unteranderem dadurch zu einem Beitrag des modernen schwarzen Horrorkinos, das in diesem Jahr nochmals durch starke Beiträge auf sich aufmerksam machen konnte (beispielsweise Candyman, Spell, Bad Hair). In einzelnen Momenten schlägt in Blood Conscious ein grundlegend verankertes Misstrauen weißer Figuren gegenüber schwarzen Amerikaner*innen durch, was dadurch besonders heftig wirkt.

Blood Conscious ist ein weitgehend ruhiges Werk, das von den Figuren getragen wird. Leider überzeugen die Darsteller*innen nicht durchgehend über den gesamten Film hinweg. Dies ist allerdings auch einer der wenigen Aspekte, an denen man merkt, dass der Film ein sehr niedriges Budget gehabt hat. Die Inszenierung ist klug und effizient geraten, um aus den gegebenen Mitteln einen stimmigen Film zu schaffen. Am Ende von Blood Conscious kann man sich allerdings stören, denn hier lässt der Regisseur seinem Publikum die alleinige Deutungshoheit darüber, was genau eigentlich geschehen ist. Aufgrund des Endes haben wir in der Redaktion lange über Blood Conscious diskutiert, ohne zu einem klaren Ergebnis gelangt zu sein.

Das Langfilmdebüt von Timothy Covell ist ein sehenswerter Film, mit einigen kleinen Makeln. Blood Conscious ist ein ruhiges Werk, in dem die kleinen Gesten zählen und zwischenmenschliche Differenzen durch eine dämonische Präsenz strapaziert werden, was darin mündet, dass die Hölle füreinander die Figuren selbst werden. Wer hier große Exorzismen oder einen bluttriefenden Horrorfilm erwartet, kann nur enttäuscht werden.

Blood 2

Infokasten

„Blood Conscious“

Regie: Timothy Covell

Drehbuch: Timothy Covell

Produktion: Ben Cove Entertainment, Old Bear Film

Verleih: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes besitzt der Film keinen deutschen Verleih.

Laufzeit: 81 Minuten (uncut)

USA | 2021

Veröffentlichung: Der Film ist Teil des Programmes des Fantasy Filmfest 2021. Ein Veröffentlichungstermin für das Heimkino steht zum Zeitpunkt der Textveröffentlichung nicht fest.

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amSamstag, 16 Oktober 2021 16:08
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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Unter anderem auch das . . .

It is said, that once a gentleman asked Madame du Deffand (1697 – 1784) if she believed in ghosts. ‘No,’ she replied, ‘but I am afraid of them.’

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