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Film

„Night Fare“ von Julien Seri

Filmplakat (Ausschnitt) Filmplakat (Ausschnitt)

Höllentrip durch die Pariser Nacht

Eigentlich sollte es nur ein Besuch bei alten Freunden in Paris werden. Lange Zeit hatte Chris (Jonathan Howard) die Nächte der französischen Metropole unsicher gemacht, gemeinsam mit seinem Kumpel Luc (Jonathan Demurger). Der allerdings hat sich Chris‘ Verflossene Ludivine (Fanny Valette) geschnappt, nachdem jener das Land vor Jahren verlassen musste. Entsprechend angespannt ist die Stimmung, als Luc seinen Gast dazu überredet, wie in alten Tagen mit ihm auf Partytour zu gehen. Als Luc allerdings die Zeche nach einer Taxifahrt prellt, müssen die beiden schnell feststellen, dass sie dabei an den falschen Cab Driver geraten sind. Denn dieser Typ setzt den ungleichen Freunden mit gleißenden Scheinwerfern und Stahlmuskeln nach, die auch Gangster und korrupte Cops armselig dastehen lassen. Dieser Mann kennt die Pariser Straßen in- und auswendig, schneidet Luc und Chris die Wege ab, lässt sie durch Hinterhöfe jagen und über Mauern klettern, egal, wie lange es dauern wird: das Taxometer läuft weiter, bis die Rechnung beglichen wird. Das muss schließlich Ludivine am eigenen Leibe erfahren.

Von der ersten Minute an hebt der Film auf die Spannung ab, die zwischen den Protagonisten Chris und Luc knistert und den Zuschauer die gesamte Handlung über verfolgt, während die Freundschaft zwischen den beiden sich zunehmend konturiert und deutlich wird, was sie verbindet und zugleich trennt. Dass Luc seinem Kumpel die Freundin ausgespannt hat, ist nur der Aufhänger. Früher ähnlich abgefuckt, ist Chris besonnener geworden. Luc dagegen steckt mittendrin in der Scheiße, die wie Gold glänzt: Partys, Koks, Sex, alles finanziert von dem Cash, das sich bei ein paar Gaunern aus dem Viertel verdienen lässt. Durchweg spannend, wie diese gegensätzlichen Figuren durch die Nacht gejagt werden, verfolgt von einem stillen, aber äußerst zornigen Taxifahrer, den genauso wie Luc und Chris ein dunkles Geheimnis antreibt. Ein Finale mit trashigen Beigeschmack, unerwartet, aber gut gemacht, rundet diesen Höllenritt ab und taucht alles bis dahin Gesehene in ein neues Licht.

 Night Fare ist spannende Unterhaltung mit interessanter Figurenzeichnung, viel Action und dem einen oder anderen Plot-Twist. Großartig ist die Inszenierung des schwarzverglasten Autos als Teufelsmaschine, die dem Antagonisten Anonymität, überlegene Stärke und zugleich eine raubtierhafte Schreckensaura verleiht. Es beschert uns einen Höllentrip durch die Pariser Nacht, bis jede Schuld bezahlt ist - auch das Taxigeld.

Trailer zu Night Fare

Letzte Änderung amDienstag, 05 September 2017 14:20
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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