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Film

„Anguish – Gequälte Seele“ ist ein Besessenheitsfilm, der nicht ins Genre passt

BD-Cover (Ausschnitt) BD-Cover (Ausschnitt)

Tess‘ psychische Störung manifestiert sich zunehmend als Verbindung zur Welt der Toten. Dies mündet in Besessenheit.

Wenn ein eineinhalbstündiger Film die gesamte Handlung der ersten 60 Minuten auf dem Klappentext enthält, dann kann die Erzählung nicht sehr tiefgreifend sein. Bei Anguish – Gequälte Seele ist dies der Fall. Der gerade im deutschen Handel erschienene Film lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen. Dabei wird nicht klar, wie psychische Erkrankungen, besonders Angststörungen und Halluzinationen, mit der Besessenheitsthematik zusammenhängen.

Bei einem Unfall wird die sechzehnjährige Lucy (Amberley Gridley) getötet. Ihre Mutter Sarah (Karina Logue) gibt sich dafür die Schuld. Kurz nach diesem Unfall ziehen Tess (Ryan Simpkins) und ihre Mutter Jessica (Annika Marks) in die Stadt. Schon im Kindesalter sind bei Tess zahlreiche mentale Krankheiten festgestellt worden, nach langer Zeit in Unsicherheit und Unwohlsein ist die nun Sechzehnjährige gut auf Medikamente eingestellt, die ihr ein ansatzweise normales Leben ermöglichen. Je länger Tess sich in der Stadt aufhält, desto mehr verschmilzt ihre Seele allerdings mit der Persönlichkeit der Toten Lucy.

Anguish 3Anguish bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten. Der Film legt großen Wert darauf, die Geschichte langsam zu erzählen und die Figuren vorzustellen. An denen gibt es nur leider wenig Interessantes, daher sind die ersten zwei Dritteln des Films ein beschwerlicher Weg, auf den Regisseur und Autor Sonny Mallhi seine Zuschauer schickt. Mallhi ist Produzent einiger Horrorfilme, die allesamt deutlich stärker im Mainstream platziert sind (The Strangers, House at the End of the Street, The Roommate). Mit Anguish wendet sich der US-Amerikaner deutlich vom Trend des populären Horrorfilms ab. Denn sein Regiedebüt ist langsam erzählt, sehr ästhetisch und mit starken Darstellerinnen besetzt, bei dem eigentlich nur die Figuren im Zentrum stehen. Einiges, was erzählt wird, erscheint hingegen wenig zielführend. Zum Beispiel bleibt unklar, welchen Mehrwert die Information liefert, dass Jessica finanzielle Mittel fehlen. Ebenfalls im Verborgenen bleibt der Bezug zu den wahren Ereignissen die dem Film als Vorlage dienen und den psychischen Erkrankungen beider Teenager-Mädchen im Film.

Anguish 1

Mit viel Ruhe und einigen ungewöhnlichen Ansätzen löst Anguish eine Besessenheitsgeschichte, ohne den klassischen – wenn auch oftmals effektvollen – Exorzismus. In Anguish wird der Konflikt im Spannungsfeld zweier Familien gelöst. Was dabei die höhere Botschaft des Werkes ist, bleibt unklar, es gibt im Grunde keinen Nachhall. Die Geschichte schleppt sich über weite Teile quälend lange hin und weiß dabei nicht mitzureißen, obwohl immer wieder versucht wird, Jump-Scares zu platzieren, die in der Summe einfach nur plump und ungeschickt erscheinen und daher der eigentlich gelungenen Ästhetik entgegenwirken.

 Trailer Anguish – Gequälte Seele

Infokasten

„Anguish – Gequälte Seele“ (OT: „Anguish”)

Regie: Sonny Mallhi

Drehbuch: Sonny Mallhi

Produzent: Anguish Film

Laufzeit: 91 Minuten

Verleih: Studio Hamburg Enterprises

USA | 2015

Ab 05.05.2017 im Handel

Letzte Änderung amFreitag, 18 August 2017 22:28
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Jahre waren es, da lebte ich nur im Echo meiner Schreie, hungernd und auf den Klippen des Nichts. […] Bis mich die Seuche der Erkenntnis schlug: es geht nirgends etwas vor; es geschieht alles nur in meinem Gehirn. Nun gab es nichts mehr, das mich trug.“

 Gottfried Benn

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