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Erzählungen

Verstörend: „Der Duft der Zuckerpflanze – und andere fiese Geschichten“

Buchcover (Ausschnitt) Emmerich Books & Media Buchcover (Ausschnitt)

Jörg Petersen hat einen schmalen Erzählband mit zwölf schrägen, oft schwarzhumorigen Kurzgeschichten aus den Genres Phantastik, Horror und Sci-Fi vorgelegt.

In Kürze: 250 Wörter über…

Die Geschichten, die Jörg Petersen in Der Duft der Zuckerpflanze erzählt, sind skurril, manche sogar absurd. Da gibt es ein Brathähnchen, das als Ei mit klassischer Musik beschallt wurde und späterhin eine Karriere als Sänger beginnt. Oder einen Gartenzwerg, der in ein Rotlichtmilieu gerät, woraufhin ein Spielzimmer-Crime-Thriller losbricht, mit Barbies als leichten Mädels und Gorillas als Bodyguards. Zwischendurch der Albtraum eines Ich-Erzählers, in dem die beiden Schriftsteller E.T.A. Hoffmann und Ernst Jünger mit Käfern als Figuren Schach spielen. Der Krabbler gibt es noch mehr: Ein sprechender Käfer in der Wohnung des alkoholsüchtigen Papenbrook gibt sich als Reinkarnation Franz Kafkas aus. Ganz zu schweigen von Abenteurern à la Indiana Jones, die im Dschungel den Schädel Adolf Hitlers suchen. Oder eine Cyberpunk-Geschichte, die an das Kultrollenspiel Shadowrun erinnert: Ein bunter Haufen aus Söldnern soll einen Hochgeschwindigkeitszug überfallen, muss dafür jedoch mit einer verhassten Zyklopen-Gang zusammenarbeiten.

Petersens Erzählband kündigt im Titel „fiese“ Geschichten an. Fies sind sie insofern, als sie einerseits wegen ihrer bizarren Geschehnisse verstörend wirken und viele von ihnen nicht gut für ihre Protagonisten ausgehen. Denn irgendeinen Haken, ein böses Erwachen oder eine ungute Wendung gibt es immer. Andererseits bewegen sich die Geschichten oft am Rand des guten Geschmacks und scheuen bisweilen weder das Vulgäre noch das Unmoralische. Auf den erwähnten Wendungen baut mitunter der schwarze Humor auf, der die Geschichten durchdringt. Diese Twists können einen Dreh ins Absurd-Komische aufweisen und das Genre unerwartet umkrempeln. Aufgrund der Themen und Erzählverfahren kann man die Geschichten überwiegend der Phantastik zurechnen, wobei auch die Genres Science-Fiction und Horror bedient werden. Mitunter sind die Geschichten nicht dramaturgisch einwandfrei gearbeitet, es kommt die ein oder andere Länge darin vor oder die Auflösung findet sehr plötzlich statt, was man so vielleicht nicht erwarten würde.

Insgesamt ist Petersens Erzählband Der Duft der Zuckerpflanze ein schwarzhumoriges und zugleich sehr kurzweiliges Leseabenteuer. Eine buntgemischte Genrekost für Zwischendurch.

 

duft zuckerpflanze cover

 

Infokasten

„Der Duft der Zuckerpflanze“

Autor: Jörg Petersen

Verlag: Emmerich Books & Media

144 Seiten, 12 Kurzgeschichten, Taschenbuch, Erstauflage

Veröffentlichung: 08. März 2021 (Druck/Digital)

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amDienstag, 20 Juli 2021 11:51
André Vollmer

Gründer von Mellowdramatix. Schriftsteller. Forscher. Phantast. Am Meer geboren.

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Dann, wenn es tagt, entweichen sie, jedes nach seiner Seite: Hexen, Kobolde, Visionen, phantastische Bilder. Nur gut, daß sich dieses Volk nur nachts und im Dunkel zeigt. Niemand konnte herausfinden, wo es sich tagsüber einschließt und verbirgt.

– Francisco de Goya über eine phantastische Radierung aus seiner Bilderreihe Los Caprichos.

(Dazu passt das 43. Blatt der Caprichos).

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