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„Clown“-Horror ohne abgenutzte Motive

Filmplakat (Ausschnitt) Tiberius Film Filmplakat (Ausschnitt)

In Jon Watts Film Clown wird nicht nur mit vielen Klischees des Clown-Motivs gebrochen, sondern dieser zu Body-Horror stilisiert: Heftig, blutig, schwarzhumorig.

Der Spaßmacher als Horrorfigur ist spätestens seit ES von Stephen King keine Seltenheit. Clowns als Spaßmacher in der Manege des Zirkus sind wohl die bekannteste Form der Heiterkeitsfigur in Europa. In den USA und anderen Ländern ist es nicht unüblich, dass Clowns auch auf Kindergeburtstage eingeladen werden. Als Alleinunterhalter werden die Spaßmacher oftmals einer Meute von Kindern gegenübergestellt, die dann weniger leichter zu begeistern ist, als erhofft (beispielsweise in Stitches wird dieser Ansatz verwendet). Manchmal ist der Clown auch einfach ein Gestörter, der Menschen tötet (31). Das Motiv ist facettenreich, bildet aber oftmals eine groteske Spaltung einer Figur ab – zumindest im Horrorkontext. Jon Watts Clown erreichte erst kürzlich den deutschen Markt, wurde aber bereits 2014 produziert. In Deutschland gibt es den Film zudem in einer konvertierten Stereo-3D-Version. Clown wählt einen komplett anderen Ansatz, denn in diesem Film wird ein liebenswerter Familienvater durch ein Clown-Kostüm zu einem kinderfressenden Dämon.

Clown 3An Jacks (Christian Distefano) Geburtstag bricht plötzlich Panik aus, als Jacks Mutter Meg (Laura Allen) den Anruf erhält, dass der Clown für die Party kurzfristig ausfällt. Sie bittet ihren Ehemann Kent (Andy Powers), eine Lösung zu finden. Dieser ist Makler und zufällig in einem Haus eines kürzlich Verstorbenen, welcher – der Zufall will es so – ein Clownkostüm im Keller hat. Ohne lange zu überlegen, springt Kent in das Outfit und taucht als Bozo der Clown auf der Geburtstagsfeier des Sohns auf. Die Weltordnung scheint gerettet, der Konflikt ist überwunden und das Happy End der Geschichte ist erreicht. Sollte man annehmen, ist aber nicht so. Denn erst jetzt beginnen die Probleme. Kent kann das Kostüm nicht mehr ablegen. Die Perücke ist mit seinem Kopf verwachsen, der Anzug mit seiner Haut, das Gesicht wird von allein zu einem bleich geschminkten Antlitz. Zunächst folgt eine teilweise spaßig, andererseits aber auch oftmals eklige, Aneinanderreihung von Versuchen, das Kostüm loszuwerden. Kent scheint sich jedoch auch geistig zu verändern, er verspürt zunehmend einen krankhaften Appetit – auf Kinder.

Clown 1

Selten wird ein Film so inszeniert, dass ein Protagonist im Verlauf der Handlung zum Antagonisten wird und im Gegenzug eine zunächst antagonistische Figur zu einem Unterstützer des neuen Protagonisten. Karlsson (Peter Stormare) ist ein zwielichtiger und bedrohlich wirkender Kautz, der Kent zu enthaupten versucht, um einen Dämon auszutreiben. Kent und Karlsson wechseln im Handlungsverlauf die Positionen. Während Karlssons Sicht der Dinge zunehmend nachvollziehbarer wird, transformiert Kent zu einem Monster. Durch die gewählte Form der Erzählung und der folgenden Konfliktverschiebung bleibt Clown bis zum Ende spannend. Am Schluss sind es dann existenzielle Themen, die dem Werk einen bittersüßen Beigeschmack geben. Positiv ist ebenfalls, dass der Film keineswegs alle Fragen beantwortet. Dadurch wirkt das Ende intensiv.

Clown 2

Clown wurde von Eli Roth co-produziert. Es ist schön, wenn erfolgreichere Genreregisseure jungen Filmemachern mit guten Ideen unter die Arme greifen. Ansonsten wäre ein unbequemes, aber dennoch sehr unterhaltsames Werk wie Clown vermutlich nicht realisiert worden.

Weit ab vom Horroreinheitsbrei ist Clown eine bisher wenig beachtete Perle des Body-Horrors, der eine gekonnte Balance zwischen Unterhaltung und Beklemmung gelingt. Einige heftige Gewaltmomente sind enthalten, aber teilweise wird dies ins Tragisch-Komische verklärt. Eine weitere Stärke des Werkes sind die glaubwürdigen Figuren und ihre guten Darsteller. Clown ist ein Geheimtipp, der dieses Schattendasein nicht verdient.

Trailer Clown

Infokasten

„Clown“ (AT: „Clown 3D“)

Regie: Jon Watts

Drehbuch: Christopher Ford, Jon Watts

Produktion: Eli Roth, Cross Creek Pictures, Dimension Films

Laufzeit: 100 Minuten (Uncut)

Verleih: Tiberius Film

Kanada | USA 2014; Veröffentlichung 2016

Im Handel auf DVD, Blu-ray-Disc und 3D-Blu-ray und Video on Demand.

Letzte Änderung amMittwoch, 13 Februar 2019 14:20
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Phantasie bzw. Fantasie (griech.: [...] phantasía – ‚Erscheinung’, ‚Vorstellung’, ‚Traumgesicht’, ‚Gespenst’) bezeichnet eine kreative Fähigkeit des Menschen. Oft ist der Begriff mit dem Bereich des Bildhaften verknüpft (Erinnerungsbilder, Vorstellungsbilder), kann aber auch auf sprachliche und logische Leistungen (Ideen) bezogen werden. Im engeren Sinn als Vorstellungskraft bzw. Imagination ist mit Phantasie vor allem die Fähigkeit gemeint, innere Bilder und damit eine ‚Innenwelt’ zu erzeugen.“

Wikipedia