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Film

High-School-Hölle, Wünsche, Macht und Verantwortung: „Wish Upon“

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Eine vom Leben enttäuschte Teenagerin erhält durch Zufall eine magische Wunschbox. Wünsche werden wahr, Wunder geschehen, aber der Preis ist hoch und unbekannt.

Rezension

WU1Wish Upon ist ein Film, der sich offensichtlich bei anderen Werken des Horrorgenres bedient. Dadurch sind die einzelnen Fragmente dem Genrekenner bekannt, aber der Film insgesamt ist ein unterhaltsamer, dem es gelingt frische Impulse ins Genre zu bringen. Erwartet man einen eindimensionalen Horrorfilm von der Stange, dann wird man hier enttäuscht, weil Wish Upon mehr ist als das. Viel mehr, um genau zu sein, denn dieser Film kreuzt gekonnt Coming-of-Age Filmparadigmen wie Breakfest Club oder Ferris macht blau mit Motiven des übernatürlichen Schreckens. Im Zentrum steht zunächst die Geschichte eines traumatisierten Mädchens, das Zeugin des Freitods ihrer Mutter (Elisabeth Röhm) werden musste. Ihr Vater (Ryan Phillippe) ist ein Schrottsammler, der irgendwie über die Runden kommt. Clare (Joey King) selbst ist eine talentierte Künstlerin, die aber nicht zu den ‚coolen‘ Schülerinnen gehört. Sie wird sogar von den reichen und schönen Schülerinnen und Schülern drangsaliert und attackiert. Eines Tages springt dann der Funken, der den Konflikt zwischen Clare und Darcie (Josephine Langford) entzündet und die beiden prügeln sich in der Schulmensa.

WU2In den sozialen Medien machen sich am Abend die ersten Videos breit und stellen Clare als „Müllmädchen“ dar, das verdroschen wurde. In diese Situation hinein bekommt Clare eine mysteriöse chinesische Spieluhr in ihre Finger. Da sie Chinesisch in der Schule lernt, kann sie Teile der Aufschrift entziffern. Die Schatulle gewährt angeblich sieben Wünsche. Ohne daran zu glauben, äußert Clare, dass Darcie verrotten solle. Als Zuschauer erfahren wir, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht, als wir Darcie am nächste Morgen gezeigt bekommen. Ihre Beine verwesen und auch ihr Gesicht. Der Wunsch wurde erfüllt. In derselben Nacht ist Familienhund Max gestorben. Was wie ein Zufall wirkt, wird beim nächsten Wunsch bereits das Leben eines nahestehenden Menschen kosten. Denn die Box erfüllt die Wünsche, sucht sich dafür aber Opfer, die als Preis erbracht werden müssen. Viel zu spät erkennt – die nun reiche und beliebte – Clare, in welche Situation sie sich und andere gebracht hat.

WU3

Wo andere Filme aus ihrem schematischen Ansatz nicht herauskommen, wendet sich Wish Upon zu einem krassen Moment, der die Schrecken nicht mehr von der Wunschbox, sondern von der Protagonistin ausgehen lässt – ein Ansatz, der an Death Note erinnert. Dieser Kniff macht Wish Upon zu einem unterhaltsamen und gelungenen Horrorfilm, der sich jedoch auch komödiantischen und Coming-of-Age-Motiven widmet. Eingebettet in den aktuellen Zeitgeist ist Wish Upon ein gelungener Film, der den Zuschauer auf eine Reise in die Abgründe der menschlichen Seele mitnimmt.

Wish Upon ist eine gute Mischung zwischen Final Destination, Jumanji, Possession und Drag me to Hell auf der einen Seite und einer zunehmend pervertierten Coming-of-Age-Geschichte an einer amerikansichen High-School auf der Anderen. Dadurch ist der Film eigenständig genug, um zu überraschen, obwohl vieles von anderswo bekannt ist. Wish Upon ist ein unterhaltsamer Horrorfilm, der unerwartet stark nachhallt und im Gedächtnis bleibt.

Trailer Wish Upon

Infokasten

„Wish Upon“

Regie: John R. Lonetti

Drehbuch: Barbara Marshall

Produktion: Broad Green Pictures

Verleih: splendid film

Laufzeit: 90 Minuten (uncut)

USA | Kanada 2017

Ab 27.07.2017 im Kino.

Voraussichtlich ab 27.11.2017 im Handel erhältlich.

Letzte Änderung amDonnerstag, 31 August 2017 18:47
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Das Recht zur Kritik ist, sozusagen, ein ästhetisches Naturrecht.“

– Hugo Dinger: Dramaturgie als Wissenschaft. Bd. 1. Leipzig 1904, S. 318.