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DVD-Tipp: „Krampus“ (2015) – Durch den Kamin kommt das Böse

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Monsterfilm und Horrorkomödie in einem: Krampus ist kein Meisterwerk, aber ein schaurig-schönes Gegenbild zur Scheinheiligkeit des Weihnachtsfestes.

Rezension (Spoiler enthalten)

Krampus als vorweihnachtlicher DVD-Tipp? Diese Horrorkomödie von 2015, die inhaltlich und inszenatorisch vor Klischees strotzt, ist nicht gerade ein Meisterwerk. Dennoch wirft sie in einer halb schwarzhumorigen, halb trashig-makabren Art und Weise einen kritischen Blick auf das Weihnachtsfest, das alle Jahre wieder medial auf Dauerschleife läuft und für die gehetzte Gesellschaft zum wohlverdienten Besinnungsmoment am Jahresende stilisiert wird – wobei gerade die Zeit vor Weihnachten für viele Menschen zu den stressigsten des gesamten Jahres gehört.

krampus 1Schon die Eingangsszene von Krampus ist herrlich, zeigt sie doch in Slow-Motion eine überzeichnete Menschenmeute, wie sie ein Kaufhaus stürmt und wie besinnungslos um die Waren kämpft, als stünde die Endzeit bevor und der Verteilungskampf um die letzten Ressourcen dieser Erde wäre angebrochen. Anschließend schildert der Film gemächlich das Weihnachtsfest zweier Familien, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber eben, weil sie miteinander verwandt sind, jedes Jahr aufs Neue die Festlichkeiten gemeinsam verbringen. Nur dieses Mal beschwört der vor Enttäuschung geäußerte Kinderwunsch, es möge kein Weihnachten mehr geben, einen pervertierten Weihnachtsmann herauf. Er ist der Krampus, der mit grotesker Elfenschaar im Gepäck schauerliche Geschenke verteilt, die alsbald ein hässliches und zerstörerisches Eigenleben entwickeln, um sich ein Familienmitglied nach dem anderen vorzuknöpfen. Derart zeigt der Film schließlich den Überlebenskampf zweier Familien, die sich durch die Bedrohung von außen zum ersten Mal näherkommt. Aber wer hier jetzt eine sinnstiftende Wendung erwartet, der irrt. Nicht einmal als der Junge Max (Emjay Anthony) das Selbstopfer erwägt, kann diese Tat den Krampus besänftigen. Die weihnachtliche Maxime Geben statt Nehmen stoppt den Dämon nicht mehr, der bloß in schallendes Gelächter ausbricht. Mit den verkommenen Menschen wird eiskalt abgerechnet.

krampus 2Das hat durchaus ein kathartisches Moment und schafft einen angenehmen Gegenpol zu der Scheinheiligkeit des Weihnachtsfestes, in der es vordergründig um die Zusammenkunft von Familie und Freunden geht, was oftmals allerdings nur zweierlei kaschiert: das gegenseitige Austauschen von Wertgegenständen und die Zuschaustellung der Tatsache, wie unterschiedlich man eigentlich ist und wie wenig man folglich zusammenpasst. Das wäre zumindest die rein pessimistische Perspektive auf Weihnachten, die Krampus dem Publikum anbietet. Das ist in der übertriebenen, wie gesagt oft klischeehaften Ästhetik dieses Films durchaus legitim. Zumal Krampus eine Horrorkomödie ist, die wie jeder Horrorfilm das Böse im Menschen fokussieren will, in diesem Fall allerdings grotesk übersteigert.

Schade ist nur, dass dieser Monsterfilm für Horrorkenner allzu eingefahrene Muster abläuft und dadurch schnell langweilig sein kann. Wen das nicht stört, der kann sich sowohl an der frohen Botschaft dieses Films als auch an vielen teils mit Computeranimationen verstärkten Puppenmonstern erfreuen, die auf die Hauptfiguren losgelassen werden. Na, dann kann Weihnachten kommen!

 

Trailer zu Krampus

Infokasten

„Krampus“

Regie: Michael Dougherty

Drehbuch: Todd Casey, Michael Dougherty, Zach Shields

Laufzeit: 98 Minuten

Produzent: Legendary Entertainment, Universal Pictures

Verleih: Universal Pictures International

USA | 2015

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Letzte Änderung amMontag, 11 Februar 2019 18:12
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Kurzes im Schreibatelier @anderwaerts, sonst auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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„Horror ist eine Gattung der Phantastik, in deren Fiktionen das Unmögliche in einer Welt möglich und real wird, die der unseren weitgehend gleicht, und wo Menschen, die uns ebenfalls gleichen, auf diese Anzeichen der Brüchigkeit ihrer Welt mit Grauen reagieren.“ – Hans. D. Baumann: Horror. Die Lust am Grauen. Weinheim 1989, S. 109.