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Film

Das „Nightmare Cinema“ öffnet seine Pforten

Filmstill (Ausschnitt) Shudder Filmstill (Ausschnitt)

In dieser Horror-Anthologie geben sich einige namenhafte Genre-Regisseure die Ehre. Das Werk überzeugt allerdings nicht in Gänze, nur in einzelnen Episoden.

Rezension

NC 1Joe Dante, Ryûhei Kitamura, David Slade und Alejandor Brugués sowie Mick Garris geben sich in Nightmare Cinema die Ehre in Form eines Kurzfilmbeitrags. Geschnitten wurde die Anthologie von dem ebenfalls namenhaften Mike Mendez, der mit seinen Projekten eine Art Dauergast auf dem Fantasy Filmfest ist. Bei so vielen bekannten Namen verwundert es wenig, dass in Nightmare Cinema auch einige bekannte Schauspieler zu sehen sind, beispielsweise Mickey Rourke als Filmvorfüher im Nightmare Cinema oder Richard Chamberlain als wahnsinniger Arzt. Von der Crew und Besetzungsseite aus betrachtet, besitzt Nightmare Cinema somit gute Voraussetzungen. Auch auf technischer Seite überzeugt der Film und seine einzelnen Kurzfilmsegmente, doch wirklich gut funktionieren nur einige davon.

Den Auftakt macht die Geschichte um eine junge Frau, die bei einem Ausflug zu einer abgelegenen Hütte im Wald auf einen maskierten Killer trifft, der dann nach und nach alle Mitglieder der Reisegruppe zu eliminieren beginnt. Das ist zunächst sehr klassisch, weiß aber durch den Einstieg zu überzeugen, denn die Zuschauer werden mitten ins Geschehen geworfen. Als Genrekenner versteht man sofort, was hier passiert und dadurch auch die selbstreflexiven Züge der Inszenierung. Durch den narrativen Twist bleibt das Segment einigermaßen interessant und wird Splatterfreunde zusätzlich mit einigen bluttriefenden Momenten überzeugen können.

Die zweite Geschichte handelt von einem jungen Paar. Sie hat eine Narbe auf ihrer Wange, doch er liebt sie für ihren Charakter. Vor der Hochzeit entschließen die beiden sich dazu, einen chirurgischen Eingriff vornehmen zu lassen, damit ihr Gesicht wieder so aussieht, wie vor jenem schicksalhaften Tag. Sie landet in der Klinik von Dr. Mirari, der wohl bereits zuvor bei der Mutter des Bräutigams Wunder gewirkt hat. Nach der OP wird deutlich, dass irgendetwas nicht zu stimmen scheint. Sie merkt schnell, dass etwas nicht in Ordnung ist und wird panisch. Das Segment entwickelt sich dann zu erwartbarem Bodyhorror, der gut unterhält. Einzig die Gesellschaftskritik in diesem Segment lassen es zu etwas Besonderem werden.

NC Egress

Eine Frau wartet mit ihren beiden Söhnen auf einen Therapietermin. Im Wartezimmer hat sie bereits fast einen Nervenzusammenbruch. Durch eine Schwärzung einiger Bildbereiche wird der Gemütszustand der Frau für die Zuschauenden sichtbar. Dieser Abschnitt wirkt in der Erzählung nicht schlüssig und wirr. Ästhetisch wird hier aber einiges geboten. Der Film ist konsequent in schwarz-weiß gehalten, die Bildgestaltung ist dabei sehr gelungen. Das Sounddesign rundet die ästhetische Erfahrung ab, dennoch beleibt von diesem Segment kaum etwas im Gedächtnis.

In dem Segment von Ryûhei Kitamura wird in etwa das geliefert, was man erwarten kann, wenn man einige Werke dieses Regisseurs kennt. Ungefilterte Gesellschaftskritik, krasse Kills und jede Menge Blut und Splatter. In einer Klosterschule treibt ein Dämon sein Unwesen und bringt Father Benedict (Maurice Benard) und seine Nonnen an den Rand des Wahnsinns. Unverblümte Kritik an der katholischen Kirche, virtuose Gewaltsequenzen und bösartiger schwarzer Humor machen dieses Segment zum Besten des Films. Vermutlich aber auch zu einem Grund, der diesem Film bei der SPIO Probleme bereiten wird.

Das letzte Segment handelt von einem talentierten jungen Pianisten, der mit ansehen muss, wie seine Eltern von einem Psychopathen getötet werden. Im Krankenhaus entdeckt er dann, dass er nun die Geister der Toten sehen und mit ihnen sprechen kann. Das Ganze läuft genauso ab, wie man es erwarten würde, ist vom Ansatz interessant, aber insgesamt wenig spannend. Das Ende ist dann auch wenig überraschend, was das Schlusssegment des Werkes schwach erscheinen lässt. Dieser fade Beigeschmack überträgt sich dann auch auf das Gesamtwerk.

Insgesamt ist Nightmare Cinema eine solide Anthologie, die allerdings hinter den Erwartungen zurückbleibt. Der Film bietet fünf Perspektiven auf das düstere Genre, die allerdings wenig Neues bieten. Dennoch unterhält Nightmare Cinema für rund zwei Stunden, ist aber kein Film, den man gesehen haben muss.

Trailer zu Nightmare Cinema

Infokasten

„Nightmare Cinema“

Regie: Joe Dante, Ryûhei Kitamura, David Slade, Alejandor Brugués und Mick Garris

Drehbuch: Sandra Becerril, Alejandro Brugués, Lawrence C. Connolly, Mick Garris, Richard Christian Matheson und David Slade

Produzent: Cinelou Films, Cranked Up Films, Good Deed Entertainment und Indy Entertainment

Verleih: Shudder

Laufzeit: 119 Minuten (uncut)

USA | 2018

Veröffentlichung: Zum Zeitpunkt dieser Rezension steht noch kein deutscher Veröffentlichungstermin fest.

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Letzte Änderung amSonntag, 05 Mai 2019 18:41
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Es gibt indes wenige Menschen, die eine Phantasie für die Wahrheit des Realen besitzen, vielmehr ergehen sie sich gerne in seltsamen Ländern und Zuständen, wovon sie gar keine Begriffe haben und die ihre Phantasie ihnen wunderlich genug ausbilden mag.“

Johann Wolfgang von Goethe