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27. Schocktober: „House“ (1985)

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Die irrwitzige Horrorkomödie House befasst sich mit Verlust. Zum einen mit dem Verlust eines geliebten Menschen und zum anderen mit dem Verlust der USA im Vietnamkrieg.

Aus der Mediengruft: Rezension

House 04Lange Zeit, bevor man eine Assoziation zwischen Bewegtbild und Hugh Laurie über den Namen House herstellen konnte, gab es eine Serie von Horrorkomödien, die eben diesen Titel trugen. Im Jahr 1985 produziert, hatte der erste Film der Reihe am 28. Februar 1986 in den USA seinen offiziellen Kinostart. House ist ein spaßiger Gruselfilm, der das amerikanische Trauma von Vietnam thematisiert. Allerdings geschieht diese Trauma-Aufarbeitung in einer ungewöhnlichen Weise. Vietnam-Veteran und Horrorautor Roger Cobb (William Katt) erbt nach dem Selbstmord seiner Tante ihr Haus. Nun kehrt er als erwachsener Mann in das Haus seiner Kindheit zurück, denn hier wuchs er auf. Einst besuchte Roger gemeinsam mit seiner Familie seine Tante in diesem Haus. An jenem Tag verschwand Rogers Sohn spurlos. Seine Frau verließ ihn in der Folge und ab diesem Punkt führt Rogers Leben zu einem Abgrund, der immer tiefer zu werden scheint. Mit seinem neuen Buch ist er auch noch im Verzug. Der Verlag macht Druck, daher entschließt Roger sich für einige Tage in das abgelegene Haus der verstorbenen Tante zu ziehen. Als er ihren Geist dort trifft wird ihm klar, dass in dem Haus übernatürliche Dinge geschehen, und so beginnt eine schreckliche Zeit für den Protagonisten.

Für den Zuschauer ist diese jedoch recht lustig anzusehen. Der Film nimmt sich nicht ernst, übertreibt mit den Horrorklischees und behandelt dabei fast nebensächlich eine der schwersten Niederlagen der USA. Dabei wird das Haus als Ursprung des Horrors in den Mittelpunkt der Bedrohung gerückt. Um Mitternacht erscheinen übernatürliche Wesen, scheinbar tote Fische erwachen wieder zum Leben und Menschen verwandeln sich vor Rogers Augen in blutrünstige Dämonen. Bei Letzteren überzeugt vor allem die Arbeit der Maskenbildner, da der Film aus einer Zeit stammt, in der nicht jedes Monster mit digitalen Effekten belegt wurde oder sogar nur noch dem Computer entstammt.

House 02Die Kreaturen in House sind allesamt skurril. Das gilt auch für den Protagonisten und seinen neuen, etwas vertrottelt daherkommenden Nachbarn Harold (George Wendt). Dieser sorgt für einige unterhaltsame Momente im Film, beispielsweise ruft Harold die Polizei, nachdem Roger mit einem alten Gewehr einen Dämon erlegt hat. Aus dieser Situation folgt das Problem, den Leichnam der Kreatur loswerden zu müssen. Roger entschließt sich das Biest zu zerlegen und in großen schwarzen Müllsäcken im Garten zu vergraben. Dabei wird er von zum Leben erwachten Gartengeräten attackiert und muss erneut um sein Überleben kämpfen. Als dann seine Nachbarin Tanya (Mary Stavin) zufällig vorbeikommt, während Roger den dämonischen Kadaver im Garten vergraben will, entsteht die nächste absurde und witzige Situation. Der Film reiht derartige Szenen immer wieder aneinander. Das macht House aus. Man sollte keinen gruseligen Film erwarten, der mit Schockeffekten übersät ist. House ist vielmehr ein Horrorfilm, wie er heute kaum noch existiert. Ein Horrorszenario wird betrachtet und dabei, ohne das Genre durch den Dreck zu ziehen, geschickt zu einer Comedy gemacht. In den letzten Jahren hat so etwas Tucker & Dale vs. Evil geschafft.

House 03

Der Geist der 80er Jahre schwebt über House. Es ist sicher kein Meilenstein des Horrors im klassischen Sinne, jedoch unter den Horrorkomödien ein besonderes Exemplar. Von einem witzigen Moment zum nächsten schaukelt sich das Szenario immer weiter hoch, bis am Ende auf den Protagonisten eine Konfrontation mit dem manifestierten Bösen wartet. Diese weiß durch formularische Inszenierung für Spannung zu sorgen. Auf diese Weise läuft der Film unbeirrt auf ein Happy End zu. Für alle Fans von Horrorfilmen aus der Zeit von 1978-1982 enthält House zudem einige Anspielungen auf ältere Filme des Genres. So erinnert die Eröffnungssequenz nicht zufällig an die von John Carpenters Halloween.

Wer Lust auf einen wenig ernsten Film hat, der mit ziemlich guten Effekten überzeugen kann, der macht mit House alles richtig. Der Film ist auf DVD in 16:9 neu erschienen. Dabei handelt es sich jedoch um eine Letterbox-Version des ursprünglichen Filmes. Videotheken haben den Film vermutlich nicht mehr im Programm, aber man bekommt ihn relativ günstig gebraucht auf DVD oder VHS.

Trailer zu House

Infokasten

„House – Das Horrorhaus“ (OT: „House“, AT: „House – Ding Dong, You’re Dead“)

Regie: Steve Miner

Drehbuch: Fred Dekker, Ethan Wiley

Produktion: New World Pictures, Sean S. Cunningham Films

Verleih: Ascot Filmverleih (Kino), Universum Film UFA (VHS), Splendid Film (DVD), Arrow Films (BD)

Laufzeit: 93 Minuten (uncut)

Erstveröffentlichung: 06. Dezember 1985, Texas, USA

USA | 1985

Veröffentlichung: Der Film ist im Handel auf DVD und Blu-ray (nicht in Deutsch) erhältlich.

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Letzte Änderung amSonntag, 27 Oktober 2019 16:30
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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