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Film

Fantasy Filmfest Tag 3: Dark Fantasy, menschliche Abgründe und ein Schwein

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Heute im Programm: The Spine of Night, The Boy Behind the Door, Beyond the Infinite two Minutes, Pig und Hunter Hunter.

Veranstaltungsbericht und Kurzkritiken

Am dritten Tag des Festivals geht es düster und stimmungsvoll in den Tag. Regen fällt in Stuttgart und das Wetter passt sich der Atmosphäre der heutigen Filme gefühlt an. Steht doch heute unter anderem mit The Boy Behind the Door ein heftiger Entführungsthriller über Kindesmissbrauch auf dem Programm. Der Dark-Fantasy-Animationsfilm The Spine of Night eröffnet den Tag. In der Abendvorstellung ist heute der neue Film mit Nicolas Cage Pig zu sehen, den wir bereits vorab gesehen und besprochen haben. Gleiches gilt für die Spätvorstellung, in der Hunter hunter einen wahrlich düsteren Schlusspunkt für den heutigen Tag setzt.

The Spine of Night

SpineTzod ist eine Zauberin, die gemeinhin als Sumpfhexe bezeichnet wird. Sie besitzt die Kontrolle über eine allmächtige Pflanze, die Leben erschaffen und nehmen kann. Nach einer lebenslangen Suche hat Tzod nun endlich den Ursprung dieser Blüten gefunden, die in den vergangenen Jahrhunderten die Machtverhältnisse in der Welt der Menschen bestimmt haben. Doch die letzte Pflanze wird von einem Wächter gehütet, der von Tzod erfahren will, was in der Welt unterhalb seiner Bergspitze geschehen ist. Und so beginnt Tzod damit, dem Wächter in mehreren Episoden den Verlauf der Menschheitsgeschichte zu berichten. Eine davon handelt von ihrem Verlust der Pflanze an die Person, die ihre Macht fortan missbrauchen wird.

The Spine of Night ist ein düsterer Animationsfilm voller Blut, Magie und Grausamkeit. Das Regie-Duo Philip Gelatt und Morgan Galen King hat ein bildgewaltiges Werk geschaffen, das seine Vorbilder offensichtlich im US-amerikanischen Fantasy-Animationsfilm der späten Siebziger und Achtziger Jahre hat. Wie in den Werken aus jener Zeit werden auch hier die Figuren über opulenten Hintergründen animiert, oftmals mit einer Framerate von 12 Bildern pro Sekunde, wodurch die Animationen etwas hakeliger wirken als in den perfektionierten, computergestützten Animationen, die heutzutage oftmals verwendet werden. Damit verbeugt sich das Regie-Duo vor der Animation mit einem Rotoscope und der damit einhergehenden händisch geschichteten Layer-Animationstechnik. Dieser technische Aspekt verleiht The Spine of Night ein ästhetisches Alleinstellungsmerkmal, zumindest in der heutigen Zeit. Der gewählte Animationsstil unterstützt die Rauheit der Inszenierung stimmungsvoll.

Die epochale Dark-Fantasy-Geschichte, die in The Spine of Night inszeniert wird, überzeugt durch viele Wendungen. Der eigentliche Reiz des Werkes liegt allerdings in der Art der Animation und der passagenweise morbiden Kunst, die jedes einzelne Bild des Werkes für sein Publikum bereithält.

Infozeile: „The Spine of Night“, R: Philip Gelatt und Morgan Galen King, USA, 2021, Koch Films

The Boy Behind the Door

In diesem spannenden Katz- und Mausspiel kämpfen zwei Jungs um ihr Überleben, nachdem sie von Kidnappern verschleppt wurden, die das Schlimmste mit ihnen vorhaben.

Boy Text

Eine Kurzrezension ist bereits veröffentlicht worden und findet sich hier (LINK).

Infozeile: „The Boy Behind the Door“, R: David Charbonier und Justin Powell, USA, 2020, Lighthouse Entertainment

Beyond the Infinite two Minutes

BeyondCaféeigentümer Kato (Kazunari Tosa) entdeckt nach Feierabend zufällig, dass der Computermonitor in seinem Apartment oberhalb des Cafés eine zweiminütige Verzögerung zu dem Computermonitor innerhalb des Cafés besitzt. Wie er das Phänomen entstanden ist, bleibt unklar, doch plötzlich spricht Kato mit seiner zukünftigen Version selbst. Nach einigem Rumprobieren werden auch einige Freunde von Kato in die Situation involviert und alle, mit Ausnahme von Kato, sind begeistert von dem technologischen Phänomen, mit dem man ganze zwei Minuten in die Zukunft blicken kann. Als einer von Katos Freunden dann herausfindet, wie man weiter in die Zukunft blicken kann, beginnt die Situation kompliziert zu werden.

Mit einem Händchen für Situationskomik und liebenswerten Charakteren inszeniert Regisseur Junta Yamaguchi seinen ersten Spielfilm. Nach kurzer Zeit zeigen sich beim Publikum bereits erste Mindfuck-Anzeichen, bis die Inszenierung der Zeit-Verschachtelung zunehmend komplexer wird. Da kann der eigene Verstand irgendwann schnell mal aussetzen, doch es ist nicht notwendig die Komplexität der Anomalie zu begreifen, um den Film genießen zu können. Beyond the Infinite two Minutes ist ein großartiger Gute-Laune-Film, den man nicht verpassen sollte.

Infozeile: „Beyond the Infinite two Minutes”, R: Junta Yamaguchi, Japan 2021, derzeit kein dt. Verleih

Pig

Erneut überzeugt Nicolas Cage in einem abseitigen Film. Pig mutet zunächst an wie eine Rachegeschichte, dahinter verbirgt sich allerdings großes Charakterkino.

Eine Kurzrezension ist bereits veröffentlicht worden und findet sich hier (LINK).

Pig Text

Infozeile: „Pig“, R: Michael Sarnoski, USA, UK, 2021, Leonine Distribution

Hunter Hunter

Ein Wolf macht einem zurückgezogen lebenden Pelzhändler und seiner Familie Probleme, da er die Tiere aus den Fallen reißt. Die Spur des Wolfs führt an einen dunklen Ort.

Eine Kurzrezension ist bereits veröffentlicht worden und findet sich hier (LINK).

HH Text

Infozeile: „Hunter Hunter“, R: Shawn Linden, USA, 2020, Koch Films

Letzte Änderung amFreitag, 29 Oktober 2021 22:54
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Ein Dichter, der sich real auf die Seite des Pazifismus schlägt, ästhetisch aber auf die der Gewalt, befindet sich durchaus nicht in einem Widerspruch.“

Alban Nikolai Herbst in Schöne Literatur muß grausam sein

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