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Film

„Alien3“ – Rückbesinnung und Weiterentwicklung zugleich

Filmplakat (Ausschnitt) 20th Century Fox Filmplakat (Ausschnitt)

Ein unterschätzter Klassiker. David Fincher stimmt die Alien-Reihe wieder auf den Überlebensgrundtenor und erweitert den Film um viele Facetten.

Faszinierend an der Alien-Reihe ist, dass die Filme allesamt unterschiedliche Facetten eines Überlebensszenarios innerhalb einer zunehmend komplexeren Sci-Fi-Erzählwelt verkörpern. Alien3 funktioniert sehr gut, auch wenn der Film voraussetzt, sich einem weniger actionreichen, dafür aber figurenzentrischen Film auszusetzen. Tut man dies, packt einen auch der dritte Teil von Alien wie die vorherigen und überrascht oftmals durch erzählerische Kniffe sowie ein ungewöhnliches Ende.

Nach der Flucht von LV-426 notlandet die Rettungskapsel der letzten Überlebenden Ellen Ripley (Sigourney Weaver), Newt (Carrie Henn) und Colonell Hicks (Michael Biehn) auf einem fremden Planeten. Ein Facehugger löste die Abkopplung der Fluchtkapsel aus. Dieser Alienparasit, der einen Xenomorphen in eine Wirtslebensform pflanzen kann, versucht den Fortbestand seiner Art zu sichern und reist als blinder Passagier mit. Auf dem Planeten befindet sich eine nahezu verlassene Strafkolonie für gefährliche Sexualverbrecher mit zwei Y-Chromosomen. Letztere Eigenschaft wird besonders gefährlichen kriminellen Männern zugeschrieben, zum Beispiel „Jack the Ripper“. Ripley überlebt den Absturz als einzige und, kaum dass man sie aus den Trümmern geborgen hat, wird sie mit einem fanatisch-religiösen Gefängniskult konfrontiert, der enthaltsam lebt und an die Erlösung durch das Ende der Welt glaubt. Eine Frau stellt eine Bedrohung für die Ordnung im Gefängnis dar, somit lebt Ripley hier gefährlich.

A3 5Der Xenomorph entsteht in Alien3 aus einem Rind, das der Alienparasit befallen hat, und lauert zunächst weitgehend im Verborgenen. Als er dann in Erscheinung tritt, zerfetzt der Xenomorph sogar zentrale handlungsführende Figuren. Durch einen cleveren Plan und mit gemeinsamen Kräften soll der Xenomorph in eine Falle gelockt werden. Das Alien wird tatsächlich A3 4gefangen und das Rettungsschiff „der Firma“ ist unterwegs. Es scheint, alles könne gut werden, aber „die Firma“ will den Xenomorph nicht vernichten, sondern diesen lebendig einfangen und zu Forschungszwecken abtransportieren. Mancher Gefängnisinsasse hält das Alien für eine Manifestation der Erlösung, was üble Konsequenzen nach sich zieht. Der Xenomorph hat derweil eine besondere Bindung zu Ripley entwickelt. In ihrem Körper wächst eine neue Alienkönigin heran, was eine erneute Ausbreitung der Aliens nach sich ziehen kann. Das will Ripley um jeden Preis verhindern und ist sogar bereit, dafür ihr eigenes Leben zu opfern.

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David Fincher hat Alien3 1992 inszeniert. Oftmals kritisiert, gilt dieser Film als der erste weniger gelungene Film der Serie. Dabei greift dieser die Stimmung des Originals wieder auf, allerdings ohne den Film zu kopieren. Denn in Alien3 besteht die Bedrohung zum einen aus dem Xenomorph und zum anderen aus den Menschen selbst. Die Bedrohung aus den Menschen ist ein zentrales Thema des Films und teilt sich grob in drei Themen: die heranwachsende Alienkönigin in Ripley, die überstrapazierten Sexualstraftäter mit ihrer fanatischen Lebensweise und zuletzt „die Firma“, die das Alien wie zuvor schon in Aliens als Biowaffe kontrollieren und erforschen möchte.

A3 3Die Komplexität der Narration sorgt in einer Art und Weise für Spannung und Schrecken, die im Vergleich zu den Vorgängern neuartig ist. Wenn die Gefangenen wie Mönche ihre Messen halten, entsteht allein durch die Inszenierung ihrer geistigen Gleichschaltung eine bedrohliche Stimmung. Die Sexualverbrecher haben alle A3 1einen Zölibat abgelegt und leben somit vollständig enthaltsam. Dies ist nicht zu kompliziert, in einer Gefangenenkolonie für Männer. Als Ripley auftaucht, wird deutlich, dass für einige dieses Bekenntnis nur leere Worte waren. Dabei inszeniert Fincher den Film sexueller als die Vorgänger und stellt somit das Thema von unterdrückter und freier Sexualität an den Rand der Narration. Dies verschwimmt mit dem zweiten Thema, einer Mutterrolle wider Willen für Ellen Ripley, in der eine außerirdische Lebensform heranwächst. Dies schützt Ripley zwar vor Übergriffen des Xenomorphen, allerdings macht sie dies selbst zur Beute, nämlich für „die Firma“. Eine Alienkönigin zu unterwerfen und ihre Brut zu einer Waffe zu machen, erscheint „der Firma“ sehr lukrativ. Da Ripley und am Ende auch alle Insassen der Strafkolonie verstanden haben, was auf dem Spiel steht, spitzt sich dieser Konflikt weiter zu. Am Ende schießen unwillkürlich die Worte von Mr. Spock (Leonard Nimoy) in den Kopf: „Das Wohl von Vielen, es wiegt schwerer als das Wohl von Wenigen oder eines Einzelnen“ (Star Trek II – Der Zorn des Khan). Dass dieser Film am Ende auf den Tod der Protagonisten zuläuft, ist kein Geheimnis. Die komplizierte Thematik und das Szenario sind mitverantwortlich für die Intensität des Werkes, das viele nicht mögen. Die längere Schnittfassung von 2003 intensiviert den Film und das Spannungsverhältnis zwischen den Figuren, aus dem dieser Film seinen – für diese Reihe – einmaligen Thrill generiert.

Lässt man sich auf Alien3 ein, macht es einfach Spaß, diesen Film anzusehen. Mittlerweile ist das CGI-Alien zwar in die Jahre gekommenen, aber darüber lässt sich hinwegsehen. Die Intensität aus dem Spannungsfeld der Figuren machen Alien3 immer noch zu einem pulstreibenden Horrortrip, der bei Publikum und Kritikern deutlich unterbewertet ist. Alien3 ist kein einfacher Unterhaltungsfilm, sondern vermittelt vieles auf der Metaebene und genau das macht ihn so sehenswert.

 Trailer Alien3

Infokasten

„Alien3

Regie: David Fincher

Drehbuch: David Giler, Walter Hill, Larry Ferguson, Vincent Ward

Produzent: Brandywine Productions

Laufzeit: 114 Minuten (Kinofassung) 145 Minuten (Extended Cut)

Verleih: 20th Century Fox

USA 1992

Auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

Letzte Änderung amFreitag, 18 August 2017 22:43
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Horror ist eine Gattung der Phantastik, in deren Fiktionen das Unmögliche in einer Welt möglich und real wird, die der unseren weitgehend gleicht, und wo Menschen, die uns ebenfalls gleichen, auf diese Anzeichen der Brüchigkeit ihrer Welt mit Grauen reagieren.“ – Hans. D. Baumann: Horror. Die Lust am Grauen. Weinheim 1989, S. 109.

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