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Wenn deine tiefsten Geheimnisse gegen dich verwendet werden: „Chatroom“

Filmplakat (Ausschnitt) Filmplakat (Ausschnitt)

Vertrauen kann in der digitalen Welt schwerwiegende Konsequenzen haben. Das nutzt William, um seine „Freunde“ in die Fänge eines perfiden Plans zu treiben.

Jim (Matthew Beard), Emily (Hannah Murray), Mo (Daniel Kaluuya) und Eva (Imogen Poots) betreten einen öffentlichen Chatroom im Internet mit dem Titel „Chelsea Teens!“. Dieser wurde von William (Aaron Tyler-Johnson) geschaffen, mit niederen Absichten. Die Gruppe junger Leute wird von Williams Coolness und Ansichten zum Leben fasziniert. Schnell beschließen die fünf handlungsführenden Figuren Freunde zu werden. Doch was den vier Gästen weitgehend ernst ist, wird von William genutzt, um Kontrolle über die anderen zu erhalten. Es reicht ihm allerdings nicht, nur das Leben seiner „Freunde“ zu beeinflussen, er will den depressiven Jim sogar in den Selbstmord treiben.

Chatroom2Das Szenario ist perfide und das Motiv von William wird tiefgreifend reflektiert, das Monster, das er ist, manifestiert sich in einer Persönlichkeitsstörung. William selbst ist in Therapie und leidet unter seinem familiären Umfeld. Dabei nimmt sich der Film viel Zeit, den Täter zu charakterisieren. Chatroom gelingt ein eindrucksvoller Spagat in der Inszenierung zweier Wirklichkeiten. Zum einen ist es die digitale Umgebung, die als ein Flur mit unzähligen Türen dargestellt und mit intensiven Farben positiv besetzt wird. Zum anderen ist es die nicht-digitale Realität, die im Gegenteil zur Online-Welt in tristen Farben gezeigt wird. Die Figuren kommen in der tatsächlichen Wirklichkeit alle nicht ganz so gut zurecht, wie sie es sich wünschten, besitzen mal starke, mal schwache Persönlichkeiten und bilden so eine starke gesellschaftliche Ambivalenz ab. Auf Chatroom müssen Rezipierende sich zweifellos einlassen, aber tut man dies, wird der Film einen mit einem intensiven Psychothrill belohnen.

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Gekonnt inszeniert Hideo Nakata (Ring, The Complex) das Theaterstück von Enda Walch als nervenzehrenden Horrorfilm. Diese psychologische Schreckensreise manifestiert das Böse in den Menschen und verdeutlicht, wie schnell die Seele durch Technik und die Einflüsse anderer beeinträchtigt werden kann. Immer wieder manifestiert sich der Schrecken auch körperlich, wenn William seine Opfer in den Freitod begleitet und somit irreversibel auf Menschen eingewirkt hat. Aufgrund dieses Themas und der Umsetzung ist Chatroom ein Teil in unserer Beitragsreihe „Körper – Seele – Technik“.

Trailer zu Chatroom

Bei "Netzkino" gibt es Chatroom komplett online

Infokasten

„Chatroom“

Regie: Hideo Nakata

Drehbuch: Enda Walsh

Laufzeit: 97 Minuten

Produzent: Ruby Films

Verleih: Universum Film

UK | 2010

Auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

Letzte Änderung amFreitag, 18 August 2017 22:18
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Horror ist eine Gattung der Phantastik, in deren Fiktionen das Unmögliche in einer Welt möglich und real wird, die der unseren weitgehend gleicht, und wo Menschen, die uns ebenfalls gleichen, auf diese Anzeichen der Brüchigkeit ihrer Welt mit Grauen reagieren.“ – Hans. D. Baumann: Horror. Die Lust am Grauen. Weinheim 1989, S. 109.