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Serie

„Hilda“ – Kindgerechte Phantastik in der nordischen Mythologie

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Die naturverbundene Hilda begegnet gern Fabelwesen, die es in der modernen Welt nicht immer leicht haben. Eine knuffige Serie, spannend und meist auch lehrreich.

Rezension

hilda 1Hilda liebt die Natur. Sie ist eine Freundin aller Tiere, Fabelwesen und Geister, die überall in der skandinavisch inspirierten Fantasy-Welt leben, die sie ihr Zuhause nennt. Nur allzu gern macht das blauhaarige Mädchen Streifzüge durch naturbelassene Gefilde und spürt Wassergeister auf, die in Tümpeln wohnen, oder fertigt Skizzen von Trollen an, die tags versteinert schlummern, um nachts zum Leben zu erwachen, oder freundet sich mit dem versteckten Volk der Elfen an, die gerade so groß wie ein Daumen sind, dafür aber Vertragswerke über alles lieben – je länger die Verträge, desto besser. Und stets ist an Hildas Seite: Twig, der kleine weiße Fuchs mit Hirschgeweih.

Gemeinsam mit ihrer Mum lebt die abenteuerlustige Hilda fernab der Zivilisation in einer Hütte zwischen Bergen, Seen und Wäldern, die das Mädchen so viel spannender findet als die Großstadt, in die sie dummerweise umziehen muss. Hildas Unvoreingenommenheit gegenüber Tieren, Fabelwesen und Geistern macht sie zu einer Spezialistin im Umgang mit der phantastischen Tierwelt. Aber mit Kindern in ihrem Alter kommt sie nicht so gut zurecht. Und dann ist da noch die langweilige Großstadt Trolberg, in der, so scheint es, weder Tiere noch Phantasiewesen geschweige denn Geister leben! Aber spätestens, als Hilda die Pfadfinder „Sparrow Scouts“ für sich entdeckt und dort Freunde findet, muss sie lernen, besser mit Menschen umgehen zu können. Außerdem erkennt sie, dass auch in Trolberg noch ganz andere Geschöpfe leben als erwartet. Zusammen mit ihren Freunden bestreitet Hilda alsbald Abenteuer, die sich meist um Missverständnisse zwischen Menschen, Geistern und Fabelwesen drehen, aber auch um Freundschaft und die Konsequenzen des eigenen Handelns. Hilda wird mit ihrer offenen und vor Freude sprühenden Art zur Fürsprecherin der andersartigen Geschöpfe, die mal bedrohlich auftreten, mal geheimnisvoll, aber immer durch ihre schrulligen Eigenschaften interessant sind. Folge für Folge wächst so die Vielfalt der phantastischen Tier- und Geisterwelt.

hilda 2Die von Netflix vertriebene Animationsserie Hilda basiert auf den gleichnamigen Graphic Novels des britischen Autors Luke Pearson. Der erste Band dieser Reihe ist 2010 erschienen. Die Serie, deren erste Staffel 2018 veröffentlicht wurde, besticht sowohl durch ihren knuffig-putzigen Animationsstil als auch durch die zauberhafte Erzählwelt mit ihren magischen Geheimnissen und den vielen Geschöpfen aus der nordischen Mythologie. Berührend ist auch das Verhältnis zwischen Hilda und ihrer alleinerziehenden Mutter, die ihre Tochter unterstützt, wo sie kann, sich beizeiten aber auch allzu viele Sorgen macht. Doch wenn Hilda ihre Mum von einer Sache überzeugen kann, dann steht diese dem Mädchen sogar in seinen Abenteuern bei. Neben all den vielen liebenswerten, oft eigenwilligen Figuren ist es auch die Seriendramaturgie, die gefällt, da frühere Geschichten, Figuren oder Fabelwesen immer wieder mal aufgegriffen werden und diese die Erzählwelt glaubhaft vertiefen statt Episode für Episode bloß als isoliertes Thema abgehandelt zu werden. Allerdings einen Spannungsbogen, der die gesamte erste Staffel umfasst, wie in vielen Serien heutzutage üblich, gibt es nicht. Bemerkenswert ist, wie die Serie Motive und Erzählweisen aus den Genres Phantastik und Horror aufgreift und diese kindgerecht in Geschichten einbettet, ohne sie zu verflachen. Es bleibt eine gewisse Ambivalenz bestehen, die Klischees und Stereotypen verhindert.

hilda 3

Die quirlige Animationsserie Hilda ist leichte Kost und für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet. Mit ihren originellen Figuren, der bunten Welt und den vielen Fabelwesen kann die Serie gut unterhalten. Zugleich ist sie sehr lehrreich, thematisiert sie doch den nach wie vor wichtigen Zusammenhang von Mensch und Natur. Hilda ist auch ein gelungenes Beispiel für Phantastik, die rundweg in positive Stimmung versetzen kann, ohne dabei die typischen Themen und Motive so sehr zu banalisieren, dass sie fade und unglaubwürdig werden, im Gegenteil: Diese Serie beschwört die alte Faszination für die Geheimnisse der Natur, indem sie diese mittels der Fiktion ins Phantastische und Staunenswerte verschiebt.

Trailer zu Hilda

Infokasten

„Hilda“, Staffel 1

Schöpfer: Kurt Mueller, Luke Pearson, Stephanie Simpson

Laufzeit: 23 Minuten / 1 Staffel à 13 Folgen (Staffel 2 für 2020 angekündigt)  

Produzent: Silvergate Media, Mercury Filmworks, Netflix

Verleih: Netflix

Großbritannien, Kanada, USA | 2018

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Letzte Änderung amFreitag, 15 Februar 2019 15:18
André Vollmer

Schriftsteller, Kritiker und Gründer von Mellowdramatix; Studierter (Literatur- und Sprachwissenschaft, M.A.); am Meer geboren. Auf Twitter als er selbst: @avllmr.

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„Es gibt indes wenige Menschen, die eine Phantasie für die Wahrheit des Realen besitzen, vielmehr ergehen sie sich gerne in seltsamen Ländern und Zuständen, wovon sie gar keine Begriffe haben und die ihre Phantasie ihnen wunderlich genug ausbilden mag.“

Johann Wolfgang von Goethe