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Triff dein Zukunfts-Ich: „Paper Girls“, Band 2

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Wenig Zeit ist seit dem Morgen vergangen, an dem Erin und ihre Mitstreiterinnen Mac, KJ und Tiffany sich kennen gelernt haben. Dennoch sind nun 28 Jahre vergangen.

Rezension

Der erste Band von Paper Girls endet damit, dass Erin Tieng ihrem vierzigjährigen Selbst gegenübersteht. Der Ort ist noch immer Stony Stream, nur die Zeit ist eine andere. Abgesehen von dem daraus resultierenden Kulturschock für die Mädchen ist eine Sache von größter Bedeutung: KJ ist verschwunden.

PG 2 1Mit der Hilfe der alten Erin soll KJ gefunden werden. Die „alte“ Erin steckt in ihrem Leben fest, zumindest fühlt sie sich so. Panikattacken bestimmen ihr Leben, aber sie arbeitet als Redakteurin bei der Zeitung, die sie früher ausgetragen hat. Interessant wird hier der Konflikt zweier Lebensperspektiven ins Zentrum der Geschichte gestellt. Erin und Erin können voneinander einiges lernen, zumindest was die Sicht der Welt angeht. Der alten Erin gelingt es die fremdartige Apfel-Box (aus Paper Girls 1) zu benutzen und findet darin eine Karte. Sie gehen davon aus, dass diese sie zu KJ leiten wird, oder zumindest einen Hinweis darauf bieten kann, was mit KJ geschehen ist. Erin und Erin machen sich gemeinsam auf den Weg in das alte Einkaufzentrum der Stadt, das mittlerweile leer steht. Die Autoren nutzen die Geschehnisse, um Gesellschaftskritik anzubringen, denn Amazon habe alle Läden zerstört. Die beiden Erins finden einen Hinweis auf KJ, ihren Hockeyschläger, doch dieser enthält eine Warnung. Als dann noch eine dritte Erin auftaucht wird das Chaos perfekt. Mac und Tiffany finden unterdessen ungewollt heraus, was die Zukunft für Mac bereithält.

Neben den Qualitäten des ersten Bandes wird in Paper Girls Band 2 eine wunderbare Charakterzeichnung vollzogen. Die Figuren bekommen mehr Tiefe, ihre Handlungen werden nachvollziehbarer. Am deutlichsten wird dies in einer Konfrontation der drei Erins am Ende des Bandes. Wo der erste Band noch etwas unscharf war, was den Weg der Geschichte angeht, so wird hier deutlich, dass auch eine Auseinandersetzung mit dem Selbst von größter Bedeutung ist, um in diesem unverhofften Abenteuer zu bestehen. Der zweite Band gelingt noch besser als der erste, kann ohne diesen jedoch nur schwer verstanden werden. Um die Geschehnisse in Stony Stream 1988, 2016 und wer weiß wann noch zu verstehen, bedarf es weiterer Bände. Diese sind leider noch nicht veröffentlicht und lassen einen mit einem unspektakulären, aber grandiosen Cliff-Hanger zurück.

Paper Girls wirkt zunächst wie eine unscheinbare Comicreihe, aber der Schein trügt. Das Werk ist großartig und macht süchtig. Mit liebenswerten und individuellen Figuren, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen, im Mittelpunkt einer abgedrehten Handlung zwischen Science-Fiction, Phantastik und Horror. Der dritte Teil wird am 18. Dezember veröffentlicht, das ist also noch eine ganze Weile hin. Bis dahin wird es noch viele andere Comics, Filme, Romane und Serien geben, aber nichts davon wird so wie Paper Girls sein, denn diese Serie ist ein Unikat.

PG 2 Cover

Infokasten

„Paper Girls“, Band 2

Geschichte: Brian K. Vaughan

Illustrationen: Cliff Chiang

Kolorierung: Matt Wilson

Übersetzung: Sarah Weissbeck

Verlag: Cross Cult

144 Seiten, Hardcover, Vollfarbe

Letzte Änderung amSamstag, 26 August 2017 11:44
Thomas Heuer

Medienwissenschaftler M.A., Multimedia Production B.A., Horrorforscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

 

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„Jahre waren es, da lebte ich nur im Echo meiner Schreie, hungernd und auf den Klippen des Nichts. […] Bis mich die Seuche der Erkenntnis schlug: es geht nirgends etwas vor; es geschieht alles nur in meinem Gehirn. Nun gab es nichts mehr, das mich trug.“

 Gottfried Benn