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Romane

Überraschende Dark-Fantasy: „Vagant“

Cover (Ausschnitt) Cross Cult Cover (Ausschnitt)

Der erste Teil der Vagant-Trilogie folgt einem Protagonisten, der nie spricht, durch eine Welt am Übergang zur Apokalypse.

In Kürze: 250 Wörter über...

Der Vagant ist ein vermummter Mann, trägt einen langen Mantel und weiß durch den korrekten Einsatz von Geld seine Ziele zu erreichen. Vagant selbst spricht kein Wort – den gesamten Roman über – es sind die Gesten und Handlungen, die sein Wesen spiegeln und dadurch eine überraschend starke Bindung zur Figur schaffen. Alles beginnt in einer Großstadt, die von ihrer einstigen Pracht nichts mehr besitzt. Die Menschen leben in der Gosse, Drogen offenbaren eine Flucht aus dieser grausamen Wirklichkeit. Dazwischen ein zunächst zwielichtiger Protagonist, dessen Motivation einige Zeit im Verborgenen bleibt. Als Erstes kauft er bei einem Straßenhändler eine besondere „Medizin“, dann wird er auf der Straße von einem Junkie angefallen – einer ausgedörrten Frau, die sich selbst im Tausch gegen Drogen anbietet.

Das alles wird von Autor Peter Newman auf eine distanzierte, fast schon klinisch wirkende Art geschildert. Sachlich, ohne Umschreibungen, wird die leidgeplagte Welt geschildert. Doch in den Momenten, in denen das Böse – welches von den Menschen Besitz genommen hat – sich manifestiert, wird die Beschreibung detailliert, ausschweifend und lässt das meist eklige Übel bis zur Kleinigkeit vor dem inneren Auge entstehen. Hier zeigt der Autor, zu welcher Sprachkunst er fähig ist. Er schafft zwei Arten von Prosa in seinem Text, jene, die Alltägliches in der düsteren Welt beschreibt, und eine zweite, welche das gesamte Schreckensausmaß des Bösen in der Welt andeutet.

Vagant eröffnet eine Trilogie, die für Fans von düsterer Phantastik mit leichten Sci-Fi-Einschlägen und einer Portion Horror zu erwärmen ist. Die erste Überraschung wird durch den Klappentext obsolet, doch weitere warten zwischen den Buchdeckeln.

Infokasten

„Vagant“ (OT: „The Vagrant“)

Autor: Peter Newman

Verlag: Cross Cult

420 Seiten, Softcover

Erstveröffentlichung: 02.10.2017

Letzte Änderung amMittwoch, 14 Februar 2018 13:57
Thomas Heuer

Medienwissenschaftler M.A., Multimedia Production B.A., Horrorforscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

 

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Dann, wenn es tagt, entweichen sie, jedes nach seiner Seite: Hexen, Kobolde, Visionen, phantastische Bilder. Nur gut, daß sich dieses Volk nur nachts und im Dunkel zeigt. Niemand konnte herausfinden, wo es sich tagsüber einschließt und verbirgt.

– Francisco de Goya über eine phantastische Radierung aus seiner Bilderreihe Los Caprichos.

(Dazu passt das 43. Blatt der Caprichos).