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Film

„Nekrotronic“: Trashige Sci-Fi-Schlachtplatte

Filmstill (Ausschnitt) Entertainment One Germany Filmstill (Ausschnitt)

Irgendwo zwischen Buddy-Komödie und Weltuntergang liefert Nekrotronic eine kurzweilige Sci-Fi-Horrorparty. Zusätzlich gibt es unverblümte Kritik am Zeitgeist.

Rezension

NEK 1Nekrotronic ist mal wieder so ein Film, bei dem man sich fragt, ob die Welt das braucht, und man dann eine Perle entdeckt, die sich hinter einer trashigen Maske verbirgt. Wirkt hier zunächst alles recht klischeehaft und erscheinen die Charaktere stereotypisch, entpuppt sich der Film schnell als buntes Knallbonbon, das einige abgefahrene Ideen präsentiert. Irgendwie drängt sich, trotz allem Kurzweil, der Gedanke auf, dass es sich hierbei auch um eine Kritik am Zeitgeist handelt. Das geschieht so offensichtlich, dass es fast schon wieder versteckt erscheint. Doch, was erwartet die Zuschauer:innen bei Nekrotronic? Ein Handyspiel, das Seelen raubt, ein Protagonist, der keine Ahnung von seinem Schicksal hat, und eine Antagonistin mit einer sehr speziellen Motivation. Dies sind einige der Faktoren, die Nekrotronic zu einem besonderen und sehr unterhaltsamen Film machen.

In einer Stadt werden neue Sende-Relais für ein beliebtes Handyspiel installiert. Zwei Looser arbeiten gemeinsam in einer Reinigungsfirma und werden damit beauftragt, nach Feierabend noch einen weiteren Job in der Stadt zu erledigen. Die beiden machen das Beste draus, fahren in ihrem Truck auf einer leeren Straße, rauchen einen Joint und singen lautstark bei Shaggy mit. Doch einer der beiden kann die Finger nicht von seinem Smartphone lassen, da er eine neue App spielt, die ein wenig an Pokémon Go erinnert, doch eine sehr viel bessere Grafik besitzt und einem Spielenden schnell mal die Seele stiehlt. Das Spiel wird schnell zum Teil der Wirklichkeit oder die Wirklichkeit verschmilzt mit dem Spiel, denn plötzlich tauchen Geister und Dämonen auf, ebenso wie einige Jäger dieser Kreaturen. Ab hier überschlagen sich die Ereignisse.

NEK 2

Zur Geschichte, die im Grunde nachrangig ist, soll nicht mehr viel gesagt werden. Allerdings ist die Motivation der Antagonistin derart absurd, dass dies nicht unerwähnt bleiben soll. Denn die von Monica Bellucci gespielte Nekromantin hat über die App das Reich der Dämonen an das Internet und somit an alles Digitale gekoppelt – hier haben wir eine großartig absurde Kritik am Zeitgeist. Das hat sie getan, damit sie durch die Opferung der Seelen der App-Nutzer:innen ewige Jugend erlangen möchte. Ihre dämonischen Pläne koppelt sie an ein erfolgreiches Internetunternehmen, das nicht zufällig wie Google oder Facebook wirkt. Dieses Unternehmen wird hier zum Feind der Menschheit, beziehungsweise zum Gegner von freiem Willen und der menschlichen Seele. Die zunehmende Unterwerfung der Menschen gegenüber ihren mobilen Endgeräten wird hier auf die Schippe genommen und zum zentralen Thema des Konfliktes gemacht – vollkommen übersteigert. Das Szenario nimmt zwar einen vorhersehbaren Verlauf, kann aber dennoch durch einige kleine Überraschungen in der Erzählung punkten.

Bunt, wild, actionreich und voller lustiger Dialoge ist Nekrotronic ein kurzweiliger Spaß. Neben der eindeutigen Unterhaltungskomponente scheut sich dieser Film auch nicht davor Gesellschaftskritik anzubringen. Insgesamt ist Nekrotronic ein unterhaltsamer Mix aus Horror und Science-Fiction, mit sympathischen Figuren, die von guten Schauspieler:innen verkörpert werden.

Infokasten

„Nekrotronik“

Regie: Kiah Roache-Turner

Drehbuch: Kiah Roache-Turner, Tristan Roache-Turner

Produktion: Guerilla Films, Hopscotch Features

Verleih: Entertainment One Germany

Australien | 2018

Laufzeit: 99 Minuten (uncut)

Veröffentlichung: Zum Zeitpunkt der Rezension steht noch kein deutscher Veröffentlichungstermin fest und es gibt noch keinen Trailer zu dem Film.

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amMittwoch, 22 Mai 2019 18:18
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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