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Gaming

13. Schocktober: „Dungeon Keeper“ (1997)

Screenshot (Ausschnitt) Bullfrog, Electronic Arts Screenshot (Ausschnitt)

Einfach mal der Böse sein. Bullfrogs Antwort auf Diablo kehrt das Konzept von Helden und Verliesen um, denn hier wird man selbst zum Herrscher über sein Labyrinth.

Aus der Mediengruft

Dungeon Keeper stellt ein Novum in der Videospielgeschichte dar. Erstmals ist es Spielenden möglich in die Rolle des wahrlich Bösen zu schlüpfen. Als ein „Dungeon Keeper“ erschafft man sich ein eigenes kleines Reich. Auf den Schultern von Imp genannten Dienern werden aus den Felsen Räume geformt und Edelmetalle abgebaut. Den Rest macht die Magie des Keepers. So ein Verlies will allerdings nicht einfach geschaffen werden. Es bedarf einer Schatzkammer, um die eigenen Reichtümer zu lagern. Alle Kreaturen, die keine Imps sind, brauchen neben einer regelmäßigen Bezahlung Nahrung und eine Unterkunft. Hat man diese Grundlagen in seinem Verlies geschaffen, dann kann es losgehen. Irgendwann taucht mindestens ein edelmütiger Held auf, der meint, das Dungeon bereinigen und das Böse an diesem Ort vernichten zu müssen. Darauf muss man vorbereitet sein. Hier werden die eigenen Schergen zu Kämpfern für die „gute“ Sache, indem sie die Helden verprügeln und töten. Idealerweise erreichen die Helden nie das Dungeon-Herz, denn wird dies zerstört, endet das Spiel.

Entwickelt wurde das Spiel von Peter Molyneux, der für einige der innovativsten Videospiele der Geschichte verantwortlich ist. Molyneux schuf Klassiker wie Populous, Syndicate, Black & White sowie Fable und eben auch Dungeon Keeper. Ursprünglich erschien das Spiel für Windows 95 und ist als Echtzeit-Strategie-Spiel konzipiert. Besonders an dem Spiel sind allerdings gleich mehrere Dinge. Zunächst die bereits diskutierte Perspektive auf das Spiel, als der Böse. Daneben sind es vor allem das Figurendesign der Kreaturen, der Spielwitz und der bitterböse Humor, dem alles in diesem Spiel zu folgen scheint. Dadurch wurde Dungeon Keeper schnell zu einer etablierten Marke, die 1999 mit Dungeon Keeper 2 fortgesetzt wurde. Die Fortsetzung stellt spielmechanisch und vor allem grafisch eine deutliche Steigerung dar. Da Dungeon Keeper zu einem sehr beliebten Multiplayer-Titel geworden war, greift die Fortsetzung auch diesen Aspekt auf und implementiert als einer der ersten Multiplayer-Titel das TCP/IP-Netzwerkprotokoll, das auch heute noch verwendet werden kann. Für den ersten Teil wurde dies niemals nachgepatcht oder anderweitig bereitgestellt, auch nicht in der Spielversion von Dungeon Keeper bei Good Old Games (GOG) oder Origins.

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Der Multiplayer-Modus von Dungeon Keeper zielt auf den Wettstreit mit anderen Keepern ab. Jeder der zwei bis vier Spielenden kontrolliert ein eigenes Dungeon, in einem unterirdischen System, das man sich teilt. Da entstehen automatisch Konflikte mit anderen Spielern, bei denen die Spielenden verschiedene Strategien wählen können, um ihre Feinde zu übertrumpfen. Dies endet oftmals in epischen Schlachten zwischen mehreren Spielenden. Dabei zeigt sich auch, wer der beste Dungeon Keeper ist, wer die vielen unterschiedlichen Räume optimal zu nutzen weiß und die beste Strategie entwickelt hat. Am Ende gewinnt derjenige Spieler, dessen Dungeon-Herz noch schlägt.

Dungeon Keeper besitzt eine große Zahl von Fans. Einige von diesen haben das Spiel versucht zu optimieren, dadurch entstand die inoffizielle (open source) Erweiterung KeeperFX, die einer der ersten weitverbreiteten Mods gilt. Programmiert wurde das in C/C++ und ist auch heute noch relativ einfach im Internet zu finden.

Es handelt sich hierbei um einen der Urväter heutiger Aufbau-Strategiespiele. Dungeon Keeper selbst wurde nicht mehr weitergeführt, aber immerhin zeigte die Marke, mittlerweile im Besitz von Electronic Arts (EA), 2014 wieder ein Lebenszeichen, als eine neugedachte Version von Dungeon Keeper für Smartphones erschien. Dabei handelt es sich um ein Massive-Multiplayer-Online-Game (MMOG), in dem man sein eigenen Dungeon erschafft und gegen andere Spielende und computergenerierte Bedrohungen verteidigt. Das Spiel gibt es mittlerweile sehr günstig in einer lauffähigen Version zu kaufen, ebenso wie den zweiten Teil. Wer mit der veralteten Grafik leben kann, findet hier ein sehr gelungenes und besonderes Videospiel, das nicht nur ein Klassiker, sondern auch ein Kultspiel ist.

DK Start

Infokasten

„Dungeon Keeper“

Entwickler: Peter Molyneux

Studio: Bullfrog

Verlag: Electronic Arts

Erstveröffentlichung: Juni 1997

UK | 1997

Veröffentlichung: Das Spiel ist als Downloadversion im Handel erhältlich.

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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„Der Traum ist ein zweites Leben. Ich habe nie ohne zu schaudern durch die Elfenbein- oder Horntore dringen können, die uns von der unsichtbaren Welt scheiden. Die ersten Augenblicke des Schlafes sind das Bild des Todes. Eine nebelhafte Erstarrung ergreift unsern Gedanken, und wir können den genauen Augenblick nicht feststellen, wo das Ich in einer andern Form die Tätigkeit des Daseins fortsetzt. Ein ungewisses unterirdisches Gewölbe erhellt sich allmählich und aus dem Schatten der Nacht lösen sich in ernster Unbeweglichkeit die bleichen Figuren, welche den Vorhof der Ewigkeit bewohnen. Dann nimmt das Bild Form an, eine neue Helligkeit erleuchtet diese Erscheinungen in wunderlichem Spiel: - es öffnet sich uns die Welt der Geister.“

– Gérard de Nerval in „Aurelia oder Der Traum und das Leben