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Film

11. Schocktober: „Mad Max“ (1979) [Horror for Future #2]

Filmstill (Ausschnitt) Warner Bros. Pictures Filmstill (Ausschnitt)

In der zweiten Ausgabe von Horror for Future wird der Blick auf eine degenerierte Gesellschaft gerichtet, in einer Welt kurz vor dem Ende der Zivilisation.

Aus der Mediengruft: Rezension und Denkanstoß

MM4Max (Mel Gibson) arbeitet für die Nachfolgeeinrichtung der Polizei. Diese ist angesiedelt in der Halle der Gerechtigkeit, einem ehemaligen Industriekomplex. Rechtsprechung gibt es im Grunde nicht mehr. Kriminelle bestimmen den Alltag, die Städte sind fast menschenleer. Wer sich heraustraut, biedert sich den Schurken entweder an oder wird zu einem Ziel ihres Terrors. Zu Beginn des Films hat Max eine positive Attitüde und glaubt etwas verändern zu können. Nachdem eine Motorrad-Gang zuerst seinen besten Freund verstümmelt und anschließend seine Familie attackiert, sieht Max keine Alternative mehr und nimmt das Gesetz selbst in die Hand.

Hier wird nicht mehr nach Recht oder Gerechtigkeit gefragt, dieses zivilisierte Konstrukt einer gesellschaftlichen Ordnung ist vernichtet. Es gilt das Recht des Stärkeren. Aus Spaß vergewaltigen, quälen und töten die Schurken. Niemand scheint in der Lage, diese Gruppe aufhalten zu können. Am Ende macht Max mit einem der wenigen Autos, die es noch gibt, Jagd auf die Gesetzlosen. Dabei wird er selbst zum Richter und Henker in einer Person. Die Gesellschaft ist zerfallen, es gibt keine Konventionen und ethischen Normen mehr. Bereits der erste Teil von Mad Max deutet an, welche Verrohung in den späteren Teilen der Reihe auf die Zuschauer:innen wartet. Max tritt hier als letzter Kämpfer für das ethisch Richtige auf, gemessen an heutigen Maßstäben. Dass er dabei selbst zum mehrfachen Mörder wird, reflektiert der Stoff allerdings nicht.

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Der Konflikt zwischen den Interessensgruppen wirkt erschreckend aktuell. Derzeit kommt es immer wieder vor, dass Menschen meinen, sie dürften das Recht selbst in die Hand nehmen und nach ihren eigenen Überzeugungen handeln. Das führt zu Morden an Politikern, Angriffen auf augenscheinlich ausländisch oder in anderer Form fremdartig wirkende Mitmenschen oder vor wenigen Tagen die rassistisch motivierten Mordanschläge in Halle an der Saale. Unsere Gedanken sind bei den Opfern der Taten, so viel steht fest. Doch was kann jeder einzelne Mensch tun, um so etwas zu verhindern? Als Gesellschaft müssen wir in einen Dialog treten, der verdeutlicht, dass es ein Miteinander gibt. Wir müssen in Streitfragen Kompromisse schaffen, beispielsweise indem wir etwas zur Integration Geflüchteter in unserem Land beitragen. Nun gibt es Menschen, die nicht von ihren Standpunkten abrücken werden und diese Standpunkte niemals Kompromiss sein dürfen. Das gilt beispielsweise für Rassismus. Das beginnt im Kleinen, wenn jemand zu einem sagt: „Sie sprechen aber gut deutsch.“ Mit Aussagen wie diesen schafft man Gräben, die man niemals überwinden können wird. Es gibt einige Themen, bei denen darf es keine Toleranz geben, dennoch darf man nicht vergessen, dass man mit allen Menschen sprechen muss. Das gilt auch für die Unterstützer und Gegner der Fridays for Future. Lösungen für ein zukünftiges Miteinander, auch im Einklang mit unserem Planeten, setzen einen Dialog voraus, nicht nur einen Protest. Das jetzt grade junge Menschen dafür protestieren, dass sie ein Recht auf eine Zukunft haben, ist allerdings absolut nachvollziehbar. Die heutigen Politiker wirken mit der Situation überfordert und mehr von Lobbyisten beeinflusst, als von der Wirklichkeit. Alle, die im Team von mellowdramatix arbeiten, gehören hingegen zu der Generation, die mit der Lösung jener Probleme konfrontiert ist, die vorherige Generationen verbockt haben und wir nachfolgenden nicht zumuten möchten. Bevor unsere Gesellschaft zu einer wird, in der nur noch der Stärkere oder Lautere recht hat, sollten wir versuchen miteinander zu reden. Das Schlimmste ist Schweigen.

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Angesichts der heutigen Lage unseres Planeten und dem Wandel in der Gesellschaft erscheint Mad Max aktueller denn je. Obwohl in dem Film das Benzin nur so verbrannt wird und Umweltschutz keine Rolle spielt, ist der Film aufgrund des gezeigten Gesellschaftsbildes ein Mahnmal für jene, die es als solches erkennen können.

Infokasten

„Mad Max“

Regie: George Miller

Drehbuch: James McCausland, George Miller, Byron Kennedy (Story)

Produktion: Kennedy Miller Productions, Crossroads

Verleih: Warner Bros.

Laufzeit: 93 Minuten (uncut)

Australien | 1979

Veröffentlichung: Der Film ist im Handel auf DVD, Blu-ray-Disc und als Video-on-Demand verfügbar.

Bildrechte: Die Bilder dieses Artikels sind Ausschnitte aus dem besprochenen Medieninhalt. Deren Rechteinhaber können Sie dieser Infobox entnehmen.

Letzte Änderung amSamstag, 12 Oktober 2019 14:32
Thomas Heuer

Dr. phil. Medienwissenschaft

Forscher, Fotograf, Filmemacher, Journalist, Gamer

Forschungsfelder: Immersionsmedien, Horror, vergleichende Mediendramaturgien, Game Studies, Medienethik und -philosophie

Abschlüsse: Medienwissenschaft M. A., Multimedia Production B. A., Facharbeiter Kommunikationselektronik

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Dann, wenn es tagt, entweichen sie, jedes nach seiner Seite: Hexen, Kobolde, Visionen, phantastische Bilder. Nur gut, daß sich dieses Volk nur nachts und im Dunkel zeigt. Niemand konnte herausfinden, wo es sich tagsüber einschließt und verbirgt.

– Francisco de Goya über eine phantastische Radierung aus seiner Bilderreihe Los Caprichos.

(Dazu passt das 43. Blatt der Caprichos).